Wird E.ON nun sauber?

Die Nachricht hat eingeschlagen wie ein sechser im Lotto. Aus vielen Richtungen erklingt Jubel, wie einst beim arabischen Frühling. Die Guten haben gewonnen, weil die Bösen gut werden. Oder es bleibt facettenreich. Wird E.ON nun sauber? Wird das Signal einen Schub für die Energiewende geben? Im gleichen Moment kommen Fürsprecherinnen wie Claudia Kemfert und Zweifler auf das Parkett. Sie spricht von Signalwirkung und wird in der Tagesschau ausgestrahlt.

Es würde mich freuen, wenn nun die „Greening Goliaths und die Multiplying Davids“ das Marktgeschehen hin zur Stromwende vollziehen. In der Doktorarbeit von Rolf Wüstenhagen beschrieb er den gleichzeitigen Bedarf vieler kleiner grüner Unternehmen und zugleich grünender großer Unternehmen, um den gesamten Ökostrommarkt zu entwickeln. Er hat anders als Hermann Scheer, eine Ko-Evolution von Großen und Kleinen für möglich gehalten. Für mich klingt beides realistisch.

Nur die Zeit kann es zeigen

Noch sind es Worte. In einigen Jahren werden wir es an Taten oder Untaten messen. Was es bringen wird weiß noch niemand. Ich finde weder Jubel noch eine „wird-ja-eh-nichts-Haltung“ für angemessen. Ich sag mal abwarten und dezentrale regenerative Energien entwickeln. Den Erhalt aller Arbeitsplätze bei E.OFF bezweifle ich. Ob das Gasgeschäft den Rückbau oder den Betrieb konventineller Kraftwerke auffangen kann? Auch da bin ich skeptisch. Wenn wirklich investiert wird, dann können Arbeitslose Mitarbeiter zur grünen Schwester wechseln. In der Summe wächst mit der Energiewende die Anzahl der Arbeitsplätze. Dieser Aspekt stimmt mich optimistisch. Der BdEW und weitere Interessensvertreter müssten nun gemischtere Interessen vertreten. Bei der Architektur der Rahmenbedingungen kommt nun Jenes zum tragen, was seit August zum Nachteil kleiner Akteure ausgelegt worden ist. Von den jungen Demonstranten auf Kairos At-Tahrir-Platz haben seltsamer Weise wenige einen Einfluss auf die Geschicke ihres Landes erhalten. Wenn anstelle einer Demokratisierung die Selbstzerschlagung immerhin dem Klimaschutz dienen würde, dann freue ich mich über diese Facette sehr. Klug ist, dass im Falle einer Insolvenz nicht das gesamte Unternehmen, sondern 20.000 Arbeitsplätze betroffen sind. Anstelle von too big too fail, kann es dann heißen, dass in der Tat der Staat einspringen muss. Also wird man noch immer die Konventionellen in dem Maße unterstützen, sodass die Insolvenz abgewendet wird, um nicht die immensen Folgekosten der Kernkraft zu schultern. Damit sinkt der Optimismus wieder auf das ernüchterte Vorniveau. Was ist eigentlich mit dem Verkauf der Uranfirma, die den BND alamiert hatte: Auch bei E.OFF?

Schauen wir uns das Vorhaben an:

Eigentlich schraubt man zwei Schilder an die gleiche Firma. Ab 2016 soll es dann E.ON SE und die „Neue Gesellschaft“ geben. Bitte entschuldigen Sie die kleine Satire aus meiner grafischen Vorwegnahme der neuen Schilder. Humor haben wir doch alle!

eon eoff
Das sagt E.ON in seiner Pressemitteilung:
e.on macht Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen
e.off macht konventionelle Erzeugung, globalen Energiehandel und Exploration & Produktion
Wachstumspotenziale aus der Umgestaltung der Energiewelt erschließen
Großer Marktteilnehmern im Erdgasgeschäft der Zukunft.
Mehrheitlich an die Aktionäre der E.ON SE abgespalten
40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
2,5 Milliarden Euro aus Verkauf des Geschäfts in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie
Erhöht Investitionsmittel bereits im nächsten Jahr um rund 500 Millionen Euro (ohnehin 4,3 Milliarden Euro)
Bestehenden Rückstellungen für Rückbau und Entsorgung kerntechnischer und konventioneller Anlagen werden durch die bilanzielle Ausstattung der neuen Gesellschaft in vollem Umfang abgedeckt.
Kapitalmarktverbindlichkeiten des heutigen Konzerns verbleiben bei E.ON
Berichte in der Blogosphäre:
Die Zukunft der abgebrannten Energien
E.ON-Spaltung: Was passiert mit den Atomrückstellungen?
„Bereits heute zahlen Stromkunden mehr Geld für den Netzbetrieb als für die Erzeugung elektrischer Energie. Von durchschnittlich 28 Cent je Kilo-Watt-Stunde bleiben zum Teil weniger als 4 Cent für den Erzeuger.“
Berichte in der Presse:
48 Milliarden für AKW-Rückbau: Am Ende blutet wieder der Steuerzahler
„Mit einer Neuausrichtung steigen die Chancen, dass der Konzern von selbst in der Lage sein wird, die Kosten des Atomrückbaus zu stemmen, die Rückstellungen scheinen nicht unmittelbar in Gefahr zu sein, sagt DIW-Expertin Kemfert.“
„E.on häuft 31 Milliarden Euro Schulden an“
„Ob die ‚Bad Bank‘ Geld verdienen kann, ist fraglich“
Hendricks lehnt AKW-Verstaatlichung ab
„Bad Bank“ für Atom, Kohle und Gas
Die anderen großen Versorger werden folgen.

Maßstäbe: So wäre E.ON 2020 sauberer:

  • Es werden genug Kohlekraftwerke abgeschaltet.
  • Es werden genug erneuerbare Kapazitäten aufgebaut.
  • Netze werden für erneuerbare Kapazitäten optimiert.
  • Es werden nicht mehr Netze, als für technische Dezentralität nötig sind, gebaut.
  • Es wird flexible Gaskraftwerke als Übergangstechnik geben.
  • Es wird nicht gegen Energieeffizienz gearbeitet.
  • Es wird kein Fracking betrieben.
  • Es werden die Atomkraftwerke wie vereinbart abgeschaltet und zurückgebaut.
  • Die Kosten für den Rückbau von Atom- und Kohlekraftwerken, sowie die Lagerung nuklearer Abfälle werden nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Wetten Sie auf die Optimisten oder die Pessimisten?

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

3 Kommentare

  1. […] Firmen enthalten sind, sollten Sie mit anderen Investoren arbeiten. So wäre beispielsweise eine Zusammenarbeit mit dem vielleicht sauberen E.ON-Konzern nicht ratsam, wenn die Anteilseigner sich mit dem schmutzigen am Bremsen interessierten “E.OFF” […]

  2. Manuel 3. Dezember 2014 um 16:03 Uhr - Antworten

    Wie du bereits richtig erwähnt hast macht es erst einmal keinen Sinn, sich in dieser Diskussion und in diesem Moment partout für oder gegen E.on auszusprechen. Hier sollte man erst einmal abwarten und schauen, was passiert.

    Generell stehe ich der Geschichte aber skeptisch gegenüber. Wir alle kennen die Vergangenheit und den Standpunkt von E.on zur Energiewende und Erneuerbaren Energien. Aus diesem Grund war die Meldung wirklich ein Paukenschlag. Allerdings darf man sich nicht blenden lassen: So ein Sinneswandel kommt nicht einfach so auf einmal und von ungefähr. Meiner Meinung wird hier ein böser Gedanke mit einer guten Absicht verschleiert.

    Natürlich ist das der richtige Schritt und kann als Vorbild für die anderen großen Stromkonzerne dienen. Wir dürfen dennoch nicht so naiv sein und glauben, dass dieser Schritt im Sinne der Bürger getätigt wurde und wir gänzlich ungeschoren davon kommen werden.

    Greenwashing ja oder nein, hin oder her, wir müssen uns erstmal vor einer Gehirnwäsche schützen…

    • Kilian Rüfer 3. Dezember 2014 um 16:07 Uhr

      Ich stimme Dir voll und ganz zu. Wir müssen den Ball flach halten. Dann fallen wir weder auf Täuschungen, noch auf selbst prophezeite Reproduktionen der eigenen Erinnerung rein. Nur, weil man zig mal getäuscht wurde, heißt es noch lange nicht, dass es dieses mal nicht auch eine Wahrheit beiinhalten könnte. Die beste Chance auf die wir hoffen können ist, dass es sich erneuerbare so gut rechnen, dass Großinvestoren darauf Lust bekommen. Im auch künftig existenten Gemischtwarenladen müssen abgelaufene Lebensmittel bzw. konventionelle Kapazitäten aussortiert werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar