Wie bereit sind Smart-Homes für die Energiewende?

Kilian-tankt-StromHeute schreibe ich aus der Bloggerlounge der Messe „Light+Building“ in Frankfurt. Ich will wissen, wie weit Smart-Homes sind. Wie ist das Stand der Technik und wie weit ist der Markt bereits entwickelt? Ich freue mich insbesondere diese Fragen gemeinsam mit dem Energieblogger Andreas Kühl zu ergründen. Andy ist besonders fit in den Themen Smart-Home und Energieeffizienz. Heute haben wir auch diskutiert, ob es bereits genug „Futter“ für einen Dokumentarfilm zum Thema gibt. Die Light + Building ist nach Auskünften der beauftragten PR-Agentur die weltgrößte Messe für Licht und Gebäudetechnik. Gezeigt werden Lösungen für Smart-Home, Gebäude im Smart-Grid sowie intelligente Lichttechnik wie LED und OLED.

Wie weit auch Laien diese technischen Begriffe verstehen, würde erst eine Befragung in den relevanten Zielgruppen beantworten können. Ich versuche mich in einer Erklärung: Unter den Begriff „Smart-Home“ fallen unterschiedliche Steuerungstechniken in der Gebäudeenergie. Für die Energiewende sind zwei Fälle relevant: Erstens kann jemand der selbst Solarstrom, etc. erzeugt sein eigene Energienutzung an seinem Angebot ausrichten. Beispielsweise die Waschmaschine startet mittags bei vollem Sonnenschein, oder die Wärmepumpe heizt mittags den Warmwasserspeicher. Zweitens kann mit dem „Smart-Home“ über ein „Smart-Meter“ auch das Stromnetz „Smart-Grid“ stabilisiert werden. Es könnte also die Steuerung mancher Geräte durch die Schwankungen im Stromnetz bestimmt werden, womit diese ausgeglichen werden. Das wäre ein „Lastmanagement“. Dafür müssen jedoch noch „Lastvariable Tarife“ eingeführt werden, damit man auch für die Netztstabilisierung bezahlt werden kann. Wie man auf den Photos sieht, könnten auch Elektroautos als smarte Speicher dienen.

Nach einer Begrüßung im „Torhaus“ durch die Presserefferentin Susanne Brendle hat mir Andreas von energynet.de erläutert, dass es über die Energiewende hinaus viele neue Möglichkeiten durch Smart-Home gibt. Aus seiner Sicht haben Privatleute dafür folgende Gründe:

  1. Sicherheit (Einbruchschutz, Hagelsensor, Brandschutz, Bewegung bei Senioren,
    Schimmelschutz-Nachricht bei zu hoher Luftfeuchtigkeit,..)
  2. Komfort (Steuerung über Smartphone, Lichtstimmungen, Musik über Handy,
    in der S-Bahn schauen ob die Kaffemaschine aus ist,..)
  3. Energieeffizienz
  4. Optimierung Eigenstrom

In Andys Artikel sind sachkundige Eindrücke zur angebotenen Technik hier und hier  beschrieben.

Datenschutz: Die Achillisferse des SMART-Home?

Unter diesem Titel haben wir uns eine Podiumsdiskussion angehört. Muss man für die Vorteile der Smart-Home Technologien weitere Schranken der Privatsphäre opfern? Der Moderator Richard Gutjahr hatte mir gut gefallen. Er selbst bloggt, ist höflich, klar, kritisch und hält scheinbar nichts hinter dem Berg. Ebenfalls diskutierten Christoph Sahm (Geschäftsführer der Individuelle Software-Entwicklung GmbH) und Lars Klingbeil (Netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion). Gutjahr erklärt deutlich, wie ein Smartphone als Wanze und Bewegungsprofil dient und zugleich regelmäßige Screenshots mit der Kamera verschickt. Wie beim „Smart-Phone“ kann man sich um sein „Smart-Home“ sorgen. Ein Unterschied im Datenrisiko liegt im Speicherort. So rät Sahm von NEST ab, welches kürzlich von Google gekauft wurde. NEST speichert auf externen Servern, um Heizungen intelligent zu regeln. Andere Systeme wie alpha EOS speichern nur im eigenen Haus. Zur Entschärfung wünscht sich Herr Sahm mehr Transparenz; jeder solle eine klare Übersicht erhalten, welche Daten übertragen werden. Klingbeil sagt, dass ein aufgeklärter Verbraucher der größte Datenschutz sei. Genau dies habe ich mir auch gedacht. Was beachte ich alles nicht, bei meiner eigenen Datensicherheit?

Man munkelt bereits seit längerem, dass es ein Milliardenmarkt werden soll.

Eigentlich wollte ich wissen, wie weit der Markt ist. Es gibt einige Studien, die auf große Potentiale verweisen. Z.B.: Licht ins Dunkel Erfolgsfaktoren für das Smart Home oder bei BITKOM. Richtige Marktdaten werden ab 1.000 € verkauft. Wenn jemand eine kostenfreie Quelle zur Marktdurchdringung hat, würde ich mich über Hinweise freuen. Um in der Energiewende zu dienen, finde ich die Optimierung des Eigenverbrauchs bereits sehr spannend. Das funktioniert und rechnet sich angeblich schnell. Dazu hätte ich auch gerne mehr Musterrechnungen.

Ist das Nachhaltig?

Es gibt einen unbestreitbaren Nutzen für die Energiewende. Gebäudeenergieeffizienz und eine technische Intelligenz, welche die wetterbedingten Schwankungen erneuerbaren Energien ausgleicht, sind bereits großartig. Für die liebe Nachhaltigkeit könnten in vielen weiteren „Details“ Fortschritte erzielt werden. Solche Fragen gehen mir da durch den Kopf:

  • Gibt es auch fair produzierte Gebäudetechnik?
  • Wie robust sind die Produkte?
  • Gibt es lebenslangen Service?
  • Oder sind es die üblichen ressourcen-verprassenden Sollbruchstellen, welche den kontinuierlichen Absatz garantieren?
  • In welchen Konstellationen rentiert sich die Investition auch für den eigenen Geldbeutel?
  • Gibt es Recyclingkonzepte?
  • Wie steht es um die graue Energie aus der Produktion der Produkte?
  • Sind besonders riskante Materialien verarbeitet worden?

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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