Klimaschutz: Wie geht es der regenerativen Energiewirtschaft?

Wir brauchen für die Energiewende zwei Arten von Menschen: Welche die es wollen (Öffentlichkeit und Politik) und welche die es machen (Energiewendewirtschaft). Wie geht es eigentlich diesen Unternehmen die Klimaschutz machen können?

Erste Indizien sind eindeutig: In den letzten 2-3 Jahren setzte sich ein politischer Wille durch, der bewusst die regenerative Energiewirtschaft schädigen (z.B. Atempause Solarwirtschaft) und ausbremsen sollte. Dies spielt der alten Energiewirtschaft in die Hände  – so die Interpretation intensiver Beobachtungen.

Wie ist die politische Schwächungsstrategie bei den Unternehmen angekommen?

Für die Antwort reise ich am 24. März mit dem Zug nach Hamburg zur Konferenz „Renewable Energy Finance 2015„. Die Veranstalter berichten vorab von folgenen Investmentzahlen:

Weltweit wurden im dritten Quartal 2014 etwa 12 Prozent mehr investiert als im Vorjahreszeitraum, während in Deutschland die Investitionen um knapp 6 Prozent schrumpften.

 

Die Konferenz will neben einem ersten Résumé der EEG-Reform und einem Überblick über die neuesten Trends im Anlagebereich wie Yield Co. oder Green Bonds werden bei der Konferenz eine genauere Analyse der möglichen Risiken und kritischen Erfolgsfaktoren der verpflichtenden Direktvermarktung sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen des neuen Ausschreibungsverfahrens ab 2017 im Mittelpunkt stehen. SUSTAINMENT´s Blog wird dazu berichten.

Über den Verlust von Arbeitsplätzen in der regenerativen Energiewirtschaft hatten wir bereits etwas geschrieben – es sind mehr als bei ganz Vattenfall oder EnBW arbeiten. Eines ist klar: Je gesünder die regenerative Energiewirtschaft und die Effizienzwirtschaft sind, desto besser können Klimafolgen gedämpft werden. Als Realblogger muss man eingestehen, dass wir nur nach an einem Airbag zur Milderung der Klimafolgen arbeiten und nicht mehr an einem unfallfreien Stop des Klimawandels können – dies haben wir alle auf dem blauen Planeten bereits versäumt.

Für die Energiewende brauchen wir Entrepreneure
wie Carl Zeiss und Werner von Siemens

Die Herkunft der Entrepreneure ist mir egal. Mich inspiriert der Wille zu nützlichen Produkten von Menschen wie Matthias Willenbacher, Elon Musk, Aloys Wobben und den vielen Kleinunternehmern, die die Energiewende tragen. Wir brauchen Menschen die den Mut haben groß zu denken, wie Cornelia Daniel-Gruber, die 1001 Industriedächer in Österreich mit Solarenergie ausstatten will.  Wir brauchen Menschen die durchhalten, aus unangenehmen Gefühlen lernen und wachsen, statt sich zu verstecken. Menschen die aufstehen und machen. Man darf unendlich oft aufgeben und sich auch mal schwach fühlen, wenn man nur immer wieder aufsteht. Ohne dies hätte Thomas Alva Edison nie seine Glühbirne erfunden. Menschen mit dem Gefühl der Selbstwirksamkeit können die Gesellschaft und die Wirtschaft verändern. Ich schreibe von Menschen, die sich ihrer Größe und Würde bewusst werden, die an Aufgaben wachsen und sich erlauben als ganzes Wesen zu entfalten. Angepasste Fahnen im Wind hingegen werden nie aus „Sachzwängen“ ausbrechen. Mit den Worten von Erich Sixt (Mobilitätsdienstleister):

„Nicht angepasst sein, das macht den Unternehmer aus.“

Oder mit den Worten von Prof. Götz W. Werner dem Gründer der dm-drogerie-markt-Kette:

„Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.“

Schön, dass es solche Menschen unter den „duck-dich-Deutschen“ gibt. Dabei ist es ganz gleich, ob es die vielen Kleinen sind oder die wenigen Größeren sind. Menschen, die im Fluß des Sachzwangs aufstehen und etwas nach eigenen Werten gestalten – davon schreibe ich. Für mich sind Macher weit mehr als Geldmacher, wobei Geld machen und ein ökologisch-sozialer Nutzen sehr wohl zusammenpassen. Das Leben der Unternehmenden und aller anderen ist vielfältiger als es dusselige Vorurteile abbilden.

Wir brauchen politischen Willen und die Öffentichkeit

Wir Energieblogger hatten die EEG-Reform kritisch unter die Lupe genommen. In Hamburg werde ich hoffentlich weniger Bestätigungen für schlechte Rahmebedingungen finden, als ich erwarte. Für die Energiewende ist es nötig, über das politisch machbare hinauszugehen – es würde sonst nicht reichen. Auch hier muss groß gedacht werden. Es ist ganz klar, dass ein solcher Wandel immer Gewinner und Verlierer hinterlässt. Die politischen Wirderstände können ökonomisch rational erklärt werden. Dazu habe ich auf SUSTAINMENT´s Blog ein interessantes Kapitel von Herman Scheer veröffentlichen dürfen – Lesenswert! Auch in dem Beitrag „Eine Frage mit Sprengstoff: Wem nutzt es?“ von Daniel Bannasch ist diese hemmende Gemengelage aus Wirtschaftsinteressen und Politk ausführlich beschrieben.

Wie jedoch in der Politik das Ruder in Richtung Klimaschutz herumgerissen werden kann, dass ist mir nicht ganz klar. Sicher ist, dass sich dies viele aufrichtig wünschen.

Unternehmen müssen hingegen eine große Adaptionsfähigkeit entwickeln und an Rückschlägen wachsen. Bis dahin bin ich froh, wenn Unternehmen den widrigen Bedingunen standhalten.

Ich freue mich über eine lebendige Diskussion und Ihre Meinung.

Das Foto auf der Startseite heißt „Elon Musk, Tesla Factory, Fremont (CA, USA) (8765031426)“ ist von Maurizio Pesce aus Mailand in Italien – Elon Musk, Tesla Factory, Fremont (CA, USA). Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

About the Author:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

2 Comments

  1. Andy 27. Februar 2015 um 09:44 - Antworten

    Meiner Meinung fehlt eine weitere Gruppe an Menschen. Das ist die größte und schwierigste Gruppe, denn das sind diejenigen, die sich kaum für das Thema Energie interessieren. Die große Masse an Menschen muss wieder begeistert werden für die Energiewende, wir brauchen sie für eine erfolgreiche Energiewende. Ich scheue mich ohne diese große Masse von Bürgerenergiewende zu sprechen oder zu schreiben. Daher halte ich es für wichtig die Kommunikation auszubauen und lokale Projekte, von denen viele, oder fast alle, Menschen profitieren, zu unterstützen. Mieterstrom ist hierfür das beste Beispiel, was es zur Zeit gibt – jeder Mieter sieht wie Solarstrom zur Reduzierung der Stromkosten beitragen. Besser geht es kaum.

    • Kilian Rüfer 27. Februar 2015 um 14:26

      Hi Andy,
      ja, die Bürger sind sehr wichtig – meinte ich:

      Wir brauchen für die Energiewende zwei Arten von Menschen: Welche die es wollen (Öffentlichkeit und Politik) und welche die es machen (Energiewendewirtschaft).

      Deine Antwort ist auch eine Antwort auf die Frage, wie die Politik wieder auf Klimaschutz & Co gerichtet werden kann. Meinst Du denn die breite Masse früher mehr begeistert war? Heute ist sie verunsichert und wurde gekonnt verwirrt. An dieser Stelle werden in der Tat alle gebraucht. Wenn nur heute zu viele Unternehmen kaputt gehen wird es langsam – selbst wenn der Wille da ist.

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