Jahresrückblick SolarContact-Index 2013: Interesse an PV-Kleinanlagen erfährt Paradigmenwechsel

Oft mache ich mir Gedanken um politische Rahmenbedingungen, wie bei unserer gemeinsamen Aktion der Energieblogger, bei der wir die Konzept zur Ökostrom-Reform vergleichen.  Heute stelle ich einen Beitrag, der die tatsächlichen wirtschaftlichen Folgen im Solarmarkt in 2013 reflektiert. Der Energieblogger Robert Doelling erarbeitet mit seinen Kollegen kontinuierlich einen „SolarContact-Index“:

Ein turbulentes Jahr liegt hinter der Photovoltaikbranche. Mit einem rund 55 Prozent geringerem Zubau an PV-Leistung als 2012 erscheint das Jahr 2013 auf den ersten Blick als ein beispielloser Branchencrash. Ein genauerer Blick lässt jedoch erkennen, dass dieser Einbruch hauptsächlich dem Großanlagensegment geschuldet ist. Denn das Interesse an der Neuinstallation von Photovoltaikanlagen hat gerade im privaten Bereich über das Jahr gesehen deutlich zugenommen. Dabei scheint es einen Paradigmenwechsel weg von der reinen PV-Anlage als Renditeobjekt hin zum Willen, Photovoltaik als umweltfreundliche und unabhängige Unterstützung der eigenen Hausstromversorgung einsetzen zu wollen.

Berg- und Talfahrt prägt Photovoltaik-Interesse in 2013
Gerade im ersten Halbjahr 2013 zeigte sich das Kundeninteresse sehr ambivalent: Während im März mit 118 Indexpunkten das bis dato höchste Anfrageaufkommen im Kleinanlagen-Segment bis 30 kWp gemessen wurde, nahm das Kundeninteresse darauffolgend deutlich ab und erreichte im Juni seinen bisherigen Jahrestiefstand. Besonders deutlich fiel der Einbruch mit rund 25 Prozent im Mai aus und setzte sich im Juni ähnlich fort. Trotzdem lag die Juni-Nachfrage immer noch leicht über dem Anfragedurchschnitt der vorangegangenen zwölf Monate. Das zweite Halbjahr zeigte sich hingegen wesentlich konstanter. So stieg das Endkundeninteresse an der Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Hausdach von Juli bis November kontinuierlich an und erreichte mit 113 Indexpunkten fast den Höchststand vom März. Erwartungsgemäß war der Dezember wieder von einem deutlichen Abschwung geprägt.

Motivation zum Eigenverbrauch gewinnt an Bedeutung
Eine singuläre Ursache ist für die Entwicklung des PV-Interesses in 2013 kaum auszumachen. Allgemein kann jedoch konstatiert werden, dass die Investitionsentscheidung in eine Photovoltaikanlage komplexer geworden ist, da sich das Verhältnis von Anlagenpreisen, Stromgestehungskosten und Vergütungssätzen nahezu paritätisch angeglichen hat. 2013 kann daher als eine Übergangsphase begriffen werden, in der die finanzielle Attraktivität einer Volleinspeisung abnimmt und die intrinsische Motivation zum Eigenverbrauch des PV-Stroms eine immer höhere Bedeutung für Endkunden gewinnt. Die konstant niedrigen Anfragezahlen nach Stromspeichern in 2013 deuten zudem darauf hin, dass ihr Einsatz zur Steigerung des Eigenverbrauchs aufgrund der hohen Anschaffungskosten trotz KfW-Förderung nur sehr geringfügig das PV-Interesse stützt.

Finanzielles Interesse an PV-Anlagen nimmt deutlich ab
Dafür, dass sich die Motivation zum Kauf einer PV-Kleinanlage nicht mehr nur nach rein finanziellen Kriterien richtet, spricht auch, dass sich das Interesse insbesondere im zweiten Halbjahr sogar deutlich gegenläufig zur abnehmenden Einspeisevergütung verhält. Bei genauerem Hinsehen wird zudem deutlich, dass der quartalsweise Kürzungs-Turnus der Einspeisevergütung in 2013 an Bedeutung verloren hat, da sonst das Interesse an PV-Kleinanlagen zu Beginn eines neuen Degressionszeitraumes steigen müsste, um am Ende dieses Zeitraums die Installation abgeschlossen zu haben. Besonders deutlich wird der Paradigmenwechsel der Interessenlagen am Einbruch der Neuinstallationszahlen von Großanlagen: Durch die abnehmenden Vergütungssätze sank die neu installierte Leistung von PV-Großanlagen laut Angaben des BSW-Solar um rund 64 Prozent, wohingegen der Zubau im Kleinanlagensegment nur um 12 Prozent zurückgegangen ist.

Über den SolarContact-Index
Der SolarContact-Index stützt sich auf die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen im Internet und wird von der DAA Deutsche Auftragsagentur aus Hamburg erhoben. Die DAA ist der größte deutsche Internet-Anfragedienstleister für regenerative Energietechnik und konzentriert sich seit mehr als drei Jahren auf die Projektvermittlung für Solaranlagen, Heiztechnik sowie Dämmungs- und Sanierungsarbeiten. Mit einem breiten Netz von Partner-Webseiten aggregiert die DAA einen signifikanten Teil der deutschlandweiten Internet-Anfragen für Photovoltaikanlagen. Aus all diesen Projekten wird ein Monats-Durchschnitt für die zurückliegenden zwölf Monate errechnet. Dieser Index ermöglicht es, die momentane Nachfrage nach Photovoltaikanlagen zu bewerten und eine Aussage über die zukünftig zu erwartende Auftragslage und Zubau zu treffen.

Von |2018-12-28T13:58:00+02:0021 Jan 2014|Erneuerbare Energien, Photovoltaik|0 Kommentare

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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