Digitalisierung: Hirn der Energiewende oder Big Business?

Welche Geschäfte enstehen bei der Digitalisierung? Welche davon sind gut und welche sind irrelavant für den Erfolg der Wende hin zu 100% erneuerbaren Energien?

Ausgehend von der Sinnfrage denke ich über die Digitalisierung der Energiewende nach. Grundsätzlich könnte sie als „Hirn der Energiewende“ den Ausgleich zwischen Stromangebot und -nachfrage ermöglichen ist damit für 100% erneuerbare Energien nötig. Das gilt auch für die Steuerungstechnik, wenn Wärme, Mobilität und Strom „gekoppelt“ werden. Digitalisierung ist der Trend der Energiewirtschaft. Sie sorgt sich zwar um Bedrohungen durch disruptive Marktentwicklungen, erkennt aber noch mehr Geschäftschancen und arbeitet akribisch an neuen Geschäftsmodellen. Gewinner sind definitiv IT-Experten wie Thorsten, der sogar bereits eine Blockchain realisiert hat und alle die technische hard- und software anbieten.

Mein Artikel ist Teil der Energieblog-Parade #digiEwende.

#digiEwende es geht um Big Business

Egal was es bringt. Bei Digitalisierung geht es um viel Geld. Der VDI nennt Zahlen, die das teure Bremer Marktforschungsinstituts Trendresearch ermittelt hat:

Insgesamt verdreifache sich das Marktvolumen für informationstechnische Produkte zur Digitalisierung von aktuell rund 1 Mrd. € jährlich auf rund 3 Mrd. € im Jahr 2025. Von 2015 bis 2025 ergebe sich ein Marktvolumen von 22 Mrd. € in Deutschland.

Werden „Digitalisierungsprodukte“ als nachhaltiges Investment angepriesen?

Ökologischen Sinn kann man häufig am ethischen Filter ökologischer Geldanlagen erkennen. Ich habe mir bei den „üblichen Verdächtigen“ umgeschaut: Bei den grünen Banken GLS, EthikBank, Thiodos-Bank und Umweltbank habe ich nichts gefunden. Hinter die Paywall des Branchenmagazins Ecoreporter wollte ich nicht blicken und Öko-Invest.net von „Guru“ Max Deml hat keine Suchfunktion. Bei den Branchenverbänden „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ und „Unternehmensgrün“ habe ich keine Silbe zu „Digitalisierung + Energiewende“ gefunden.

Ist die Digitalisierung der Energiewende nicht nachhaltig? So schnell kann nicht geurteilt werden. Viele profitierende Unternehmen sind Mischkonzerne, die schlicht in kein ökologisch ausgerichtetes Portfolio passen. Ein Stück weit könnte die Digitalisierung noch außerhalb der Wahrnehmungsgrenze der alternativen Finanzbranche liegen.

Womit wird versucht aus der Digitalisierung Geschäfte zu generieren?

Ich habe die Themen gelistet und beginne mit denen, die mir für 100% erneuerbare Energien wichtig erscheinen:

  • Virtuelle Kraftwerke (nützlich)
  • Aufbau und Weiterentwicklung einer massendatentauglichen Systeminfrastruktur, Aufbau und Betrieb einer physischen Kommunikationsinfrastruktur und eines entsprechenden Datenmanagements (nützlich)
  • Echtzeitgesteuerte zeit- und lastvariable Tarife (nützlich)
  • Smart-Meter bei größeren Stromverbrauchern (nützlich)
  • Smart Home (Lastmanagement-Teil nützlich)
  • Mieterstrom (nützlich – urbaner regenerativer Strom)
  • Quartierslösungen (nützlich – breitere Wirksamkeit)
  • Energieautarkie – Lösungen (nützlich)
  • E-Mobility-Lösungen (als Speicher nützlich)
  • Direktvermarktung erneuerbare Energien (nützlich – Zwischenhandel mit Blockchain jedoch überflüssig!)
  • Flexibilitätsvermarkter (Stromhandel überflüssig mit Blockchain)

Digitalisierung der Energiewende bedeutet für Energieversorger, dass diese sich selbt umbauen müssen. Getrieben werden sie im Wettlauf mit großen IT-Unternehmen. Peter Peters und Niko Mohr von McKinsey konkretisieren:

Diese Bedrohung wird zumeist dort konkret, wo Informationen wichtiger werden als Sachwerte, also vor allem an der Schnittstelle zum Kunden.

Die Motivation des BDEW liegt im Selbsterhalt seiner Mitglieder. Ehrlich wird eingeräumt, dass..

Allen Ansätzen für neue Geschäftsmodelle ist gemein, dass die Wertschöpfungs- und Service- Prozesse im tradierten Kerngeschäft eines EVU nicht oder nur teilweise für deren Umsetzung geeignet sind.

Folgende Paper habe ich konsuliert:

  • Stadtwerkestudie Juni 2016 „Digitale Geschäftsmodelle – Digitalisierung in der Energiewirtschaft“ (BDEW)
  • „Strategiepapier Digitalisierung in der Energiewirtschaft“ (BDEW)
  • „Digitalisierung im Energiemarkt: Neue Chancen, neue Herausforderungen“ (McKinsey)

Fazit: Digitalisierung ist teilweise notwendig für 100% erneuerbare Energien

Alles was mit Lastmanagement zu tun hat ist notwendig für 100% erneuerbare Energien. Das gilt auch für die Steuerungstechnik, wenn Wärme, Mobilität und Strom „gekoppelt“ werden. Die digitale Modernisierung von Energieversorgern, Vertrieb und Stromhandel hingegen sind irrelevant. Die über das Lastmanagement hinausgehenden Funktionalitäten am Smart-home sind ebenfalls irrelevant. Ob die für unser Ziel irrelevanten Aspekte der Digitalisierung der Energiewende schaden oder neutral sind, ist eine andere Frage.

Die Blockchain kann überflüssige Teilbereiche der Energiewirtschaft mit seiner disruptiven Kraft  aussortieren. Es muss aufgepasst werden, dass keine Gesetzgebung kommt, die eine monopolisierende Wirkung auf den Betrieb einer „Blockchain-Handelsplattform“ haben kann. Es müssen offene dezentrale Handelsplattformen möglich bleiben!

Bürger machen sich Sorgen um ihre Datensicherheit. Darin bin ich wie die meisten kein Experte. Als wir beim Barcamp Felix Dembski von Bitkom da hatte, schilderte er hohe Sicherheitsstandarts. Wie hoch die Datensicherheit tatsächlich ist und was mit welchen Daten gemacht wird, dass müssen andere herausarbeiten.

Eine Diskussion und Konkretisierung des Rankings „Digitaler Geschäftsfelder“ fände ich interessant. Feuer frei im Kommentarfeld: Was denken Sie?

Von |2018-12-28T13:57:31+01:0020 Nov 2016|Energiewende, Intelligente Stromnetze|0 Kommentare

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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