EEG-Ausschreibungen: Erstes konkretes Angebot für Bürgerenergie

Nach der extrem miserablen EEG-Deform brauchen Bürgerenergieakteure nicht nur Fürsprecher und Ermutigung, sondern sehr konkrete Unterstützung. Es darft nicht wahr werden, dass 80% des künftigen erneuerbaren Strommarktes unter großen Marktakteuren aufgeteilt werden. Die Talfahrt der Bürgerenergie hat sich bereits bestätigt. Bei der vierten PV-Ausschreibung hat nur noch eine Genossenschaft mitgemacht. Die Gründungszahl von Energiegenossenschaften war in 2015 bereits gegenüber 2014 um 25% gesunken, so berichten die Bloggerkollegen von Naturstrom. Es werden sehr schnell Alternativen gebraucht, damit die Aktiven nicht zu desillusionierten und frustrierten Melancholikern werden und aufgeben.

In meinem vorherigen Artikel habe ich bereits Kriterien skizziert, wer als Kooperationspartner für die Bürgerenergie in Frage kommen könnte. Es sind sehr viele Unternehmen. In der anschließenden Diskussion wurde ein Einwand deutlich: Wer in der Wirtschaft passt überhaupt zur Bürgerenergie? Passen bedeutet in diesem Fall: Wer versteht den Nutzen durch einen Strukturwandel, durch selbstbestimmte Bürger, und durch eine vielfältige Akteursandschaft? Diese Suche nach starken Kapitalgebern mit diesem Verständnis erschien extrem schwer. Nun gibt es ein konkretes Angebot.

Selten interessiert mich eine Pressemitteilung. Die Einladung zur Pressekonferenz: „Greenpeace Energy stellt neues Angebot zum Erhalt von Bürgerenergie-Projekten vor“ fand ich richtig interessant.

Greenpeace Energy bietet der Bürgerenergie das was fehlt

Kapital und KnowHow fehlen. In der Presseeinladung wurde folgendes versprochen:

Der Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy hat gemeinsam mit seiner Kraftwerkstochter Planet energy ein spezifisches Beratungs-, Dienstleistungs- und Finanzierungsangebot erstellt, um die Zusammenarbeit mit Bürgerenergie-Akteuren auszubauen und sicherzustellen, dass Bürgerenergie auch in Zukunft wesentlicher Bestandteil der Energiewende sein wird.

Blogger haben selten die Zeit zu einem Pressetermin zu reisen. Auch haben wir nur selten einen Verlag im Rücken, der die Kosten trägt. Per Mail wurden mir dennoch kritische Fragen beantwortet. Man wolle die Kosten und Risiken einer Ausschreibungsteilnahme abfedern. Der würde Planet energy die Ausschreibungs- und Genehmigungsrisiken absichern. Insbesondere die „Pönale“ ist eine schwer finanzierbare Hürde. Auch wolle man in den komplexen formellen Abläufen beratend zur Seite stehen und taktische Tipps im großen Markt geben.

Unter www.planet-energy.de/buergerenergie ist das innovative Angebot kompakt zusammengefasst. Bitte weiter erzählen.

Es ist kein Bürgerwashing

Meiner Meinung nach muss Bürgerenergie bedeuten, dass die Machtverhältnisse im Unternehmen bei den Bürgern liegen. Ein Indikator dafür könnten Anteile über 51% in Bürgerhand sein. Die Vortäuschung einer Bürgerbeteiligung wäre ein zu kleiner Anteil, wie es bei dem Modell der EnBW der Fall ist. Mündlich wurde mir da einmal ein deutlich geringeres Beteiligungsfenster für Bürger genannt. Ob sich das Angebot des Baden-Würtembergischen Stromkonzernes seit dem gewandelt hat weiß ich nicht.

An diesem Punkt habe ich bei Greenpeace Energy nachgehakt. Das ist die Antwort:

Bürgerenergieprojekte sind sehr unterschiedlich und so muss der konkrete Modus einer Zusammenarbeit in jedem einzelnen Fall erst vereinbart werden. Grundsätzlich ist Planet energy bereit, über eine Beteiligung am Projekt Vorleistungen, Risikoübernahmen oder finanzielles Engagement abzusichern. Wichtig ist dabei aber, dass Beteiligungen für Planet energy nicht das Ziel der Zusammenarbeit sind und dass die Anteile stets wieder in die Hände der Bürger zurückübertragen werden sollen.

Wer unterstützt noch die Bürgerenergie?

Ich hatte eine weitere Pressemitteilung dazu von den Grünen erhalten.  Deren Bundestagsfraktion hat den Beschluss ‚GRÜN FÜR BÜRGERENERGIE!‘ auf den Weg gebracht. Darin wird als Minimum die von der EU-Kommission selber vorgegebenen Freigrenzen (De-minimis-Regel) von einem Megawatt bei Solar- und 18 Megawatt bei Wind an Land gefordert. Eigentlich aber wollen die Grünen gar keine Ausschreibung von Photovoltaik- und Windnutzung an Land und als Partner der Bürgerenergie wahrgenommen werden.

Kennen Sie weitere konkrete Angebote an die Bürgerenergie?
Bitte in das Kommentarfeld schreiben.

By |2018-12-28T13:57:32+02:0029 Jul 2016|Energiewende, Erneuerbare Energien|0 Kommentare

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Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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