Taschenspielertricks im Weißbuch und der KWK-Novelle?

Im Weißbuch und den Beschlüssen des Energiegipfels vom 1. Juli geschehen sonderbare Dinge. Ich meine nicht nur die akzeptierte Stromkostensteigerung durch die goldene Rente für 2,7 GW Kohlekraftwerke in der Kapazitätsreserve. Manche fragwürdigen und kuriosen Passagen dieser Energiepolitik stimulieren meinen Galgenhumor. Sind da etwa Täuschungsmanöver gemacht worden? Gehen wir dem Zynismus auf die Spur.

Was war zur KWK geplant, bevor man 4 Mio. Tonnen CO2
unter den Teppich kehren musste?

Schauen wir doch einmal in den Nationalen Klimaaktionsplan aus dem Dezember 2014: Damals wollte man die Treibhausgas-Reduktion nicht beziffern. Man wollte erst einmal seine Evaluation auswerten.

0:1 für das BMWi.

Schauen wir uns die Evaluation an: Auf Seite 154 sieht man, dass 4 Mio. Tonnen ganz locker eingespart werden können.

0:2 für das BMWi.

Wir schaffen 25 % KWK von.. irgendwas!

2013 lag man bei 16,2 % KWK Anteil in der gesamten Stromerzeugung. Das Ausbauziel wurde deutlich gesenkt, denn es bezieht sich in 2020 nur noch auf den thermischen Teil der Energie. Man zieht also etwa 50 % erneuerbare Energien gemäß Ausbaukorridor und die dann noch laufenden AKW´s von der Grundgesamtheit ab, um die neue Bezugsgröße zu haben. Dann muss man auch kaum mehr etwas tun, um die KWK auszubauen. In 2014 ging der Ausbau der KWK gegenüber 2013 bereits zurück. Im bisherigen Entwurf für das neue KWKG wurden zu kurze Betriebsstunden angesetzt und die EEG-Umlage auf den Eigenstrom nicht aufgehoben. Günstig daran ist, dass man das zusätzliche Budget auch nicht ausgeben muss, wenn man den Karren nicht zum Laufen bringt.

1:2 durch ein Eigentor des BMWi

Wir sind moderat. Also machen wir einen Kompromis!

In der politischen Mitte ist man ja bereits. Dann muss dies ja nicht auch noch beim Kompromis der Fall sein. Bei der Kapazitätsreserve, die viel teurer als der Klimabeitrag für den Bürger ist, geht das so:

In der Politik kann zwischen “10” und “6” allerdings “2,7” liegen.

So zerpflückte Claudia Kemfert die seltsamen Beschlüsse aus Berlin bei den Kollegen von green Wiwo.

2:2 Ausgleich! Torschütze: BMWi

So wichtig sind diese CO2-Tonnen auch nicht

Nachdem wir Deutschen bereits den Müll trennen haben wir doch schon viel geschafft. Hauptsache ist, dass Betreiber Geld kriegen und die Anderen irgendwie Ruhe geben.

Elf Freunde müsst ihr sein: Also sagen wir die 2,7 GW würden 11 Tonnen CO2 einsparen.

Wissenschaftler sind ja eh nur Theoretiker. Ob da die eine oder andere Studie zu anderen Ergebnissen kommt schert uns nicht, solang wir mit einem guten Tropfen Wein auf unseren Erfolg anstoßen. So in etwa dürfte der Austausch am 1. Juli geklungen haben.

Toor für SUSTAINMENT! 3:2

Nachspielzeit: Wo kann man 5,5 Mio. Tonnen CO2 für 1,2 Mio € kaufen?

Diese Frage ist noch offen. Sollte das Gleiche doppelt abgerechnet werden, dann werden dies kluge Köpfe merken und aufrichtige verbreiten. Investiert werden muss also in zusätzliche Energieeffizienzmaßnahmen. Wer steigt eigentlich durch den Haushalt des Energie- und Klimafonds (EKF) durch?

By |2018-12-28T13:57:43+01:0022 Jul 2015|Energiepolitik, Energiewende|0 Kommentare

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Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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