Photovoltaikanlagen ohne Schutzgeld vor der „Solar-Mafia“ schützen

In Zeitungen kann man von der „Solar-Mafia“ lesen. Sie betreiben eine Photovoltaik-Anlage? Stellen Sie sich vor, dass Sie morgens in Ihrem Monitoring keine Ertragsdaten mehr sehen. Ein Fehler in der Übertragung Ihrer Erträge? Nein, denn es gibt keine Solarerträge mehr, weil die Anlage gestohlen wurde. Leider ist dieses unangenehme Szenario bereits für manch einen Realität geworden. Wie können sich Betreiber vor dieser Kriminalität schützen? In diesem Artikel erhalten Sie Sicherheitstipps.

Ebenfalls tauchen wir in die Medienwirkung der Formulierung „Solar-Mafia“ ein; Mit dem Wort lässt sich gut Aufmerksamkeit erhaschen – kein Krimi ist spannender als die herbeigeredete „Realität“. Sind für Verlage die Leserzahlen oder ausgewogene Berichte wichtig? Sind für Politiker aufrichtige oder aufmerksamkeitserregende Aussagen wichtig? Bild Dir Deine Meinung.

Die Zahlen aus der Süddeutsche Zeitung warnen. Zwischen 2011 bis Ende 2014 gab es bundesweit:

  • 1880 Diebstähle von Solarmodulen oder Zubehör
  • mindestens 15 Millionen Euro Gesamtschaden

Sicherheitstipps für Photovoltaik-Anlagenbetreiber

  • Auf PV-Diebstahl.de können Eigentümer von PV-Produkten die „Eigentümer-ldentifikations-Nummer (EIN-Code)“ ihrer Solarmodule und Wechselrichter kostenfrei in die Datenbank eintragen und so den Dieben den Diebstahl als auch den Verkauf der gestohlenen Produkte erschweren.
  • Kontrollieren Sie Ihre Anlage regelmäßig. Achten Sie auf Markierungen z.B. am Zaun.
  • Achten Sie auf verdächtige Personen, die Ausspähversuche unternehmen könnten.
  • Informieren und sensibilisieren Sie Ihre Nachbarn z.B. in der Urlaubszeit.
  • Erschweren Sie den Abtransport und Verkauf durch mechanische und optische Sicherungen.
  • Erhöhen Sie das Entdeckungsrisiko mit Bewegungsmeldern inkl. Grundstücksbeleuchtung.

Die Tipps stammen aus einer Pressemitteilung des Websitebetreibers. Haben Sie weitere Ideen zum Anlagenschutz? Man könnte bei größeren Anlagen auch über Kameras nachdenken.

Ist es eine Mafia? In den Artikeln zum Thema wird von einem vernetzten Verkauf berichtet, der beispielsweise bis nach nach Nordafrika erfolgen würde. Gen Osten soll es inzwischen mehr Kontrollen geben.

Was ist eine Mafia?

Im Sprachgebrauch versteht man unter Mafia eine erpresserische Geheimorganisation. Auch die strenge Hierarchie, Gewalt und politische Einflussnamen kennzeichnen die Wortbedeutung. Ursprünglich bedeutete das Wort Maffia im italienischen „Überheblichkeit“ und „Anmaßung“.

Die echte Mafia zur Geldwäsche mit erneuerbaren Energien

Wie in allen Investitionsgütern wurde zur Geldwäsche auch in erneuerbare Energien investiert. Geld riecht nicht. So berichtete die Taz über die Festname eines Mafiosi, der eine große Wind- und Solarfirma. So sollen dabei systematisch EU-Fördermittel angezapft werden. Regional wurde über Süditalien, die Kanaren, mein schönes Korsika, Rumänien und Bulgarien berichtet.

“This is the proof of the fact that the Mafia is dynamic and able to interpret the new needs of our society”

So hatte ein früherer Präsident der Ant-Mafia Kommission, Francesco Forgione, erklärt wie flexibel sich die Mafia an die gesellschaftlichen Entwicklungen anpasst.

Die unechte Mafia als phantasievolle Wortspielerei

Schauen wir hinter die Macht der Worte. Mit dem Wort „Mafia“ impliziert man die extremste Form der organisierten Kriminalität. Es ist eine Formulierung kurz unter der „Genozid“-Klasse. Auch wenn Übertreibung veranschaulicht, gibt es nicht ohne Grund den Tatbestand der „Volksverhetzung“.

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Joachim Pfeiffer (CDU) hatte den Bundesverband Solarwirtschaft im Hamburger Abendblatt als „Solar-Mafia“  bezeichnet. Auf Abgeordnetenwatch.de kann man schön nachlesen, wie Pfeiffer mit drei „f“ dies rechtfertigt. In 2.298 Wörtern erklärt er dem Solarflüsterer wie die „Darstellung falscher Tatsachen„, die „Verleumdungen„, „tarnen und täuschen„, „Buchung einer Anzeige im Tagesspiegel„, „nicht mehr hinnehmbare Vernetzung und Patronage zwischen Solarindustrie, Politik und Medien, die als zu stark verflochtene Strukturen“ zu dem Vergleich mit kriminellen und gewaltätigen Organisationen geführt haben. Er schreibt inhaltsgemäß, dass der BSW noch agressiver und schlimmer als die alte Energiewirtschaft in seinem Lobbyismus sei. Andere halten den BSW für viel zu sanft. Ich glaube, dass damals mit sanften Kürzungen der Einspeisevergütungen den Forderungen nach radikalen Einschnitten weniger Boden gelassen hätten.

Bedauernswert, aber auch lustig sind die Aufmerksamkeitsbedürftigen: In einem Bildkommentar findet sich ein Mitglied der neuen bundesweiten „Initiative gegen Ökowahn“. Der Vorwurf psychisch kranker  Wahnvorstellungen wird mit dem Vorwurf von Gier und Kriminalität der „Anti-Atom-Mafia“ verfeinert. Die Wortwahl des Herrn Meyer ist unhöflich.

Der Buchautor Oliver Janich schreibt über die „Klima-Mafia“ die in verbrecherischer Weise für den Klimaschutz ist. Seine Vorstellung des organisierten Gewaltverbrechens sei eine „geschürte Massenhysterie“. Irgend jemand schürt irgend etwas… Andere berichten von organisierten Klima-Zweifeln. Ist das die Klima-Zweifel-Mafia?

Auch die Taz mag es reisserisch. Australiens „Treibhausmafia“ oder besser bekannt als „Greenhouse-Mafia“ sind jene Lobbyisten, die down under gegen den Klimaschutz arbeiten. Dafür oder dagegen? Egal: Hauptsache es liest jemand!

Fazit

Nicht nur vor Diebstählen und Geldwäsche, sondern auch vor übertrieben reisserischen Formulierungen sollten wir uns schützen. Auch wenn Übertreibungen veranschaulichen, gibt es verbale Bummerangs, die durchaus auf einen zurück fallen können. Man sollte nie etwas so schreiben, dass man es der Person nicht auch in das Gesicht sagen würde. Denn am Ende hängen wir alle von allen ab und man sieht sich immer zwei mal im Leben.

Von |2015-08-20T17:38:06+02:0020 Aug 2015|Energiewende, Erneuerbare Energien, Photovoltaik|3 Kommentare

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

3 Kommentare

  1. www.photovoltaik-solar-speicher.de 21. September 2015 um 21:22 Uhr - Antworten

    Wirklich sehr aufklärend Dein Artikel. Hingegen möchte ich darauf hinweisen, dass umso mehr Photovoltaik Anlagen es gibt, die Wahrscheinlichkeit natürlich steigt, dass die Anlage geklaut wird. Da bekommt der Spruch; „Es wird geklaut was nicht niet- und nagelfest ist“ glatt ein Bedeutung. Denn gleich bei der Installation einer PV-Anlage kann man schon für wenig Geld spezielle Nieten verwenden, was es dem Dieb es richtig schwer macht die Module zu klausen….

    Viele Grüße

  2. PV-Diebstahl.de 24. August 2015 um 09:31 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Leider ist Diebstahl von Photovoltaik-Komponenten noch immer ein Thema in Deutschland. Seit kurzen bieten wir daher die kostenfreie Sicherung von Photovoltaik-Modulen und Wechselrichtern an.

    Wir hoffen, dass die Solar-Mafia über kurz oder lang nicht mehr ein lohnenswertes Geschäft in der Photovoltaik sieht. Egal ob es sich um Diebstahl oder Subventionsbetrug handelt.

    Viele Grüße vom PV-Diebstahl.de Team

  3. Erhard 21. August 2015 um 06:59 Uhr - Antworten

    Als alter Solar Mafiosi muss ich schon auf meinen richtigen Gang-Namen bestehen:

    Sonnenflüsterer und nicht Solarflüsterer!

    Ansonsten gibt‘ Beton an die Füße! 🙂

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