Den bremsenden Strukturkonflikt zwischen konventionellen und erneuerbaren Energien objektiv verstehen – von Hermann Scheer

„Hermann Scheer 02“ von Kuebi = Armin Kübelbeck - own work http://www.best4sports.de own website. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.Warum werden erneuerbare Energien gebremst? – was beispielsweise durch den deckelnden „Ausbaukorridor“ und dem unbeständigen Rechtsrahmen der Fall ist. Um dies wirklich zu verstehen, muss man die einzelwirtschaftlich rationalen Motive hinter den Bremsbemühungen gänzlich ergründen. Zu leicht driftet die Energiediskussion in emotionale Polemik ab. Erst kürzlich war ich im Zug von Frankfurt nach Lyon auf ein bedeutendes Kapitel aus dem Buch „Der energethische Imperativ“ von Hermann Scheer gestoßen. Der Pionier und Politiker analysierte den Strukturkonflikt vortrefflich. Die folgende Lektüre kann ich allen engagierten Mitdenkerinnen und Mitstreitern wärmstens ans Herz legen.

Ich freue mich sehr über die Erlaubnis von Irm Scheer-Pontenagel und dem Verlag Antje Kunstmann, dass diese Pflichtlektüre hier im Blog publiziert werden darf. Danke! Das Foto „Hermann Scheer 02“ ist von Armin Kübelbeck unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons lizenziert.


Das folgende Kapitel hat der Autor Hermann Scheer geschrieben. Veröffentlicht wurde es im Antje Kunstmann Verlag unter dem Titel:

Der energethische Imperativ: 100% jetzt: Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist

Strukturkonflikt: Das Spannungsverhältnis zwischen konträren Energiesystemen

Die Systemdifferenz ist der dritte große Unterschied zwischen konventionellen und erneuerbaren Energien, neben dem Unterschied zwischen nur noch begrenzter und dauerhafter Verfügbarkeit und dem zwischen Emissionen einerseits und Nullemissionen andererseits. Sie ist objektiver Natur und darf deshalb nicht aus subjektiven Gründen der Konfliktvermeidung verwischt oder aus Gedankenlosigkeit unbedacht bleiben. Die mangelnde Beachtung dieser Systemdifferenz führt zu schweren strategischen Denkfehlern.

Dazu gehört der Denkfehler, dass der Bann der Energiewirtschaft gegen erneuerbare Energien gebrochen wäre, sobald diese „wettbewerbsfähig“ seien oder gar kostengünstiger produzierten. Dies ist jedoch ein systemischer Irrtum. Das konventionelle Energiesystem ist entlang des von ihm organisierten Energieflusses organisiert. Wenn aus diesem das wichtigste einzelne Element – das Kraftwerk – herausgenommen und durch eine Stromproduktion aus erneuerbarer Energie ersetzt wird, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die diesem Kraftwerk vor- und nachgelagerten Einrichtungen. Die zuvor eingesetzte Primärenergie muss einen anderen Abnehmer finden oder wird gar nicht mehr nachgefragt. Das hat Auswirkungen auf die Primärenergiepreise und auf die Wirtschaftlichkeit der Transportinfrastrukturen. Gleiches gilt für den nachgelagerten Bereich, vor allem für das auf die Kraftwerkstandorte zugeschnittene Stromübertragungsnetz. Fällt ein Standort aus, weil der alternative Strom an anderer Stelle produziert werden kann, wird auch ein Teil des bestehenden Übertragungsnetzes überflüssig. Strom aus erneuerbaren Energien wird aber praktisch nie an denselben Standorten produziert wie konventionell erzeugter Strom, sondern in der Regel an vielen Standorten in kleinen Produktionseinheiten.

Ob, wann und wie also ein Energiekonzern herkömmliche Energieangebote durch erneuerbare Energien ersetzen wird, ergibt sich nicht in erster Linie aus einer isolierten Kostenbetrachtung der Stromerzeugung. Die Entscheidungskriterien der Energiekonzerne haben andere Hintergründe. Sie erklären, warum z.B. ein Energiekonzern, der Kohlekraftwerke betreibt, zugleich im Kohlebergbautätig ist (sich also selbst mit Brennstoffen beliefert) und auch noch Eigentümer des Übertragungsnetzes ist, sich gegenüber erneuerbaren Energien zögerlich verhalten wird, weil sie das eingespielte System stören. Wenn dieser Energiekonzern dennoch in erneuerbare Energien investiert, dann vorzugsweise außerhalb seines Bezugssystems. Der deutsche Stromkonzern E.ON investiert in Windkraftprojekte in Großbritannien statt in Deutschland, weil er so seine angestammten Kreise nicht stört. Er verhält sich systemlogisch, ebenso wie es auch andere Stromkonzerne tun.

Mit anderen Worten: Die Stromerzeugungskosten oder auch die Brennstoffkosten für herkömmliche Energien sind für einen Stromkonzern nicht die einzigen Entscheidungskriterien, und nicht einmal die unbedingt wichtigsten. Entscheidend sind die jeweiligen Systemkosten des Unternehmens. Gleiches gilt für den Kraftstoffsektor: Benzin, Diesel und Kerosin werden in Ölraffinerien produziert. Die jeweiligen Derivate dieser Produktionssegmente stellen Sekundärstoffe dar, die etwa für die Produktion von Schmierölen, Düngemitteln und Kunststoffen genutzt werden. Fällt eines dieser Nebenprodukte aus der Verwertung, wird es zu Abfall. Solche internen Rückkopplungen erklären die geringe Flexibilität des etablierten Energiesystems gegenüber Substituten durch andere Anbieter, die den Betrieb stören. Die Energiekonzerne sind Gefangene ihres eigenen Systems. Ihr spezifisches Problem stellen sie jedoch gern als allgemeines dar, indem sie ihre Unternehmensratio zur volkswirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Rationalität verklären. Sie sehen die Einführung erneuerbarer Energien aus ihrem Blickwinkel, aber nicht aus dem desgesellschaftlichen Gesamtinteresses. Wenn sie sich daher auf erneuerbare Energien zubewegen, dann nur in dem Maße, wie sie das eingespielte System nicht durcheinander bringen. Erneuerbare Energien sind dann zunächst nur Ersatz oder Ergänzung. Der systemische „worst case“ für die etablierten Energiekonzerne trifft ein, wenn der Durchbruch zu erneuerbaren Energien durch andere schnell und auf breiter Front erfolgt, so dass ihnen das Geschehen aus den Händen gleitet. Um nicht abgehängt zu werden, sind sie deshalb aktuell zu Eigenaktivitäten für erneuerbare Energien gezwungen, werden dabei aber immer für sie „systemgerechte“Ansätze bevorzugen.

Wie bedrohlich der Wechsel zu erneuerbaren Energien für die Energiekonzerne ist, kann jeder ermessen, der sich konkret vor Augen führt, was geschieht, sobald dieser an Fahrt gewinnt. Jeder kann sich selbst die Frage beantworten, für wen die jeweilige Entwicklung vorteilhaft oder nachteilig ist. Es ist ein Wechsel

  • von Importenergie zu „heimischer Energie“, in allen Energieimportländern, wozu die Mehrzahl der Länder gehört;
  • von kommerzieller zu nichtkommerzieller Primärenergie, die weder gefördert noch aufbereitet werden muss und außerdem nichts kostet;
  • von teilweise über den halben Erdball reichenden Transportinfrastruktur für die Lieferung von Primärenergie (Pipelines, entlang des Züge, Tankwagen) zu einer Primärenergie, die keine aus Transportinfrastruktur braucht;
  • von konventionellen Energiespeichern zu neuen Speicherformen für die bereits in Strom und Wärme umgewandelten erneuerbare Energien;
  • von wenigen Großkraftwerken zu zahlreichen Kraftwerken an vielen Standorten, und damit von wenigen Anbietern und konzentrierter Kapitalakkumulation zu vielen Anbietern, breitgestreuter Kapitalbildung und Wertschöpfung;
  • von vielen Hochspannungsleitungen, ausgehend von Großkraftwerken, zu einer Netzstruktur, die von regional breit gestreuten Produktionseinheiten ausgehen muss;
  • von der gegebenen Energielieferwirtschaft zur Produktion von Technologien, um erneuerbare Energien ernten, umwandeln und nutzen können.

Die einzige Ausnahme bildet die Bioenergie, weil hier die Primärenergie produziert, aufbereitet und bezahlt werden muss, was sowohl im klein- wie im großunternehmerischen Format denkbar ist. Auch hier werden sich jedoch Lieferströme bzw. Bereitstellungsketten grundlegend von denen der fossilen Energien unterscheiden.

Das konventionelle Energiesystem musste aufgrund der im globalen Maßstab notwendig gewordenen Entkoppelung von Energieförderung und Energieverbrauch zwangsläufig zu einem Reservat von Großunternehmen werden, die sich aus Gründen eigener Systemerhaltung immer mehr internationalisieren. Sie folgen damit der Systemlogik der konventionellen Energiequellen ob als Importeur oder als Exporteur.

Mit dem Wechsel zu erneuerbaren Energien werden fast alle Elemente des bisherigen Systems nach und nach funktionslos, mit den Zwischenstadien sinkender Kapazitätsauslastung. Der Wechsel zu erneuerbaren Energien geht zu Lasten der bisherigen Energiewirtschaft und von deren Zulieferern, weil deren herkömmliche Systemelemente Zug um Zug unwirtschaftlich werden. Einen Zeitpunkt, an dem ihre Anlagen gleichzeitig abgeschrieben sind, gibt es nicht einmal theoretisch. Bereits Abgeschriebenes oder Veraltetes steht neben Neuinvestitionen. Ein schneller Energiewechsel, der objektiv möglich ist, erscheint konventionellen Energiekonzernen deshalb unmöglich – und ist es aus ihrer Sicht auch, wenn sie Kapitalvernichtung vermeiden wollen. Deshalb versuchen sie, den Wechsel zu erneuerbaren Energien entweder zu verhindern oder zu verschleppen und in jedem Fall unter ihre Kontrolle zu bringen. Weil sie selbst behindert sind, behindern sie andere. Sie folgen einer konzernwirtschaftlichen Ratio, die weder eine industriewirtschaftliche noch eine volkswirtschaftliche oder gesellschaftliche Rationalität sein kann. Sie sind die Verlierer des schnellen Energiewechsels es sei denn, sie wären zu einer radikalen Selbstreform an Haupt und Gliedern unter Inkaufnahme schwerwiegender aktueller Verluste fähig und bereit. Aber welches Konzernsystem war dazu je in der Lage – zumal, wenn es mit so vielen räumlich auseinander liegenden Systemelementen verkettet ist? Dass ein Stromkonzern – wenn schon, denn schon – solare Großkraftwerke oder große Windparks auf hoher See vorzieht, kann daher nicht überraschen. Er wird das damit begründen, dass dies der „wirtschaftlichere“ Ansatz sei. Aber wirtschaftlich für wen? Diese Vorlieben haben systemische Gründe und nicht allgemeingültig wirtschaftliche. Welche Technologie der erneuerbaren Energien – und damit welche ihrer Quellen – die wirtschaftlichere ist, hängt immer mit von deren Anwendungszweck und den Systembedingungen des Investors ab.

Der Wechsel zu erneuerbaren Energien ist also unweigerlich ein Konflikt zwischen zwei unterschiedlich funktionierenden Energiesystemen. Erneuerbare Energien erfordern andere Techniken, Anwendungen, Standorte, Infrastrukturen, Kalkulationen, industrielle Schwerpunkte, Unternehmensformen, Eigentumsverhältnisse und vor allem andere rechtliche Rahmenbedingungen! Die Schrittmacherrolle für erneuerbare Energien kann nicht beiden Systemträgern der konventionellen Energieversorgung liegen, also der gegenwärtigen Energiewirtschaft. Diese kann sich nicht neutral gegenüber allen Energiequellen verhalten, weil ihr Systemzuschnitt auf die herkömmlichen Energien ausgerichtet ist. Weil der Energiewechsel schnell gehen muss, kann er nicht von denjenigen abhängig gemacht werden, die ein wirtschaftliches Eigeninteresse an seiner Verlangsamung haben. Nach einer äußerst kontroversen Fernsehdiskussion, die ich mit dem Vorstandsvorsitzenden eines deutschen Stromkonzerns darüber hatte, sagte dieser mir anschließend „persönlich vertraulich“: “Sie haben leider recht. Aber wenn ich das öffentlich zugebe, bin ich morgen draußen. Was würden Sie denn tun, wenn Sie auf meinem Stuhl säßen?“ Ich konnte ihm nur sagen, dass ich mich nicht auf seinen Stuhl setzen würde, allerdings auch kein Mitleid habe, weil er für seine Berufslüge eine Entschädigung in Millionenhöhe bezieht.

Die bestehenden strukturellen Barrieren gegenüber erneuerbaren Energien würden in der Praxis selbst dann weiterwirken, wenn die Konzerne sich vom Weltbild der konventionellen Energieversorgung gelöst hätten. Die treibenden Kräfte für den Wandel sind dagegen jene, die am wenigsten mit der etablierten Energiewirtschaft verflochten sind. Jede Strategie, die das übersieht, verfehlt ihr Ziel.

– Seite 60 –

Wie sehen Sie die Konflikte in der Struktur der Energiesysteme?
Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

About the Author:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

10 Comments

  1. […] gibt. Verständnis zu dieser Logik kann man sich bei dem sehr vermissten Politiker Hermann Scheer hier im Blog anlesen. Nützliche sind leicht zu finden: Wenn ein Unternehmen von der Energiewende profitiert, […]

  2. […] auch die Betreiber atomarer und fossiler Kapazitäten. Ebenfalls sind es diejenigen, die von den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten profitieren. Diese am Bremsen interessierten Unternehmen sind nur die ausführenden Vehikel derjenigen, die […]

  3. […] erhebliche volkswirtschaftliche Chancen. Die betriebswirtschaftlichen Ursachen des auch im Lobbyismus ausgetragenen Strukturkonfliktes hat Hermann Scheer vorzüglich beschrieben. Für die Sache reicht es nicht zu verstehen, warum […]

  4. […] dass ein solcher Wandel immer Gewinner und Verlierer hinterlässt – Stillstand auch. Eine rationale Erklärung der Bremspolitik habe ich auf SUSTAINMENT´s Blog von Herman Scheer veröffentlichen dürfen – Lesenswert! Wie […]

  5. […] eine so große Triebfeder geworden ist. Diese Bestrebung ist gut für die Energiewende. Denn wir brauchen eine wachsende Akteursvielfalt – wie es Hermann Scheer treffend analysiert […]

  6. Rainer 13. Januar 2015 um 10:34 - Antworten

    Kassandra lässt grüßen 🙄

    Ja die Betrachtung „auf wen sich etwas wirtschaftlich auswirkt“ ist wichtig. Dort lassen sich die Antworten finden warum bestimmte Gegenreaktionen stattfinden. Doch die Umstellung von NE auf EE im Bereich der Elektrizitätswirtschaft ist meist eine nationale, allenfalls (hier) eine europäische „Angelegenheit“. Sicher auch die „Geberländer“ NE werden auch hier in (noch) geringem Maß betroffen.

    Ganz anders, wenn es um den ungleich größeren Einfluss geht, den eine „Substituierung“ auch anderer Primärenergie geht. Die gegenwärtige geringe weltweite Nachfrage nach Erdöl und Erdgas wird nicht mit einer Drosselung der Förderung beantwortet, nein, stattdessen wird diese Gelegenheit zum Preisdumping genutzt. Wer ist das Ziel ? Noch sind die klaren Gegner die gesamte „unkonventionelle“ Fördertechnologie. Durch Unterschreiten bestimmter minimaler Erlöse aus dieser Technologie, werden nach und nach die beteiligten Unternehmen an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten gedrängt und wenn es lange genug funktioniert, zur Aufgabe gezwungen. Nach zahlreichen Insolvenzen wird es „danach“ schwierig bis unmöglich den „Status quo ante“ zu erreichen. Wer will danach noch finanzieren, was gerade „abgeschrieben“ wurde ?

    Ganz „nebenbei“ wird auch der Bereich EE betroffen. Die Differenz zwischen Investitionskosten für „Windgas“ und Kosten am Markt für fossile Produkte wir ebenfalls größer. Diese Vorgänge bestätigen auch meinen Verdacht, warum die „üblichen“ Produzenten von Erdgas und Erdöl, niemals ihre tatsächlichen „Restbestände“ veröffentlichen. Wer zugibt den „Markt“ ab einem Zeitpunkt „X“ nicht mehr ausreichend versorgen zu können, induziert geradezu zwangsläufig Investitionen in „andere Methoden“. Wer heute auf NE „Quellen“ sitzt, will heute reich werden / bleiben – schei… auf „Morgen“.

    Dennoch, wer die Realität wahrnimmt, kommt um Fragen, wie z.B. wieviel der z.Z. üblichen Primärenergie kann durch Formen der EE überhaupt ersetzt werden nicht herum. Bei der vorherrschenden Mentalität „der Markt wird es richten“ kommen womöglich die Anstrengungen sich rechtzeitig anzupassen schlicht zu spät. Um sich in etwa vorzustellen, was es bedeuten könnte, wenn der Primärenergiebedarf nicht mehr ausreichend gedeckt werden KANN, empfehle ich das Buch „BLACKOUT – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg. Nicht wegen dessen eigentlicher Zielrichtung, nein, wegen der dort drastisch geschilderten Szenarien, was geschieht, wenn die „übliche“ Versorgung zusammenbricht.

    Sicher, die kommenden Vorgänge werden eher schleichend sein, dennoch, einiges wird „schlagartig“ eintreten, weil das Überschreiten des „Point of no Return“ stattgefunden hat.

    In diesem Sinn nehme ich an „Ersetzen ginge wohl zu weit“ (der gesamten derzeit „benötigten“ Primärenergie) ist womöglich wahr, aber die Konsequenzen daraus sind sehr, sehr „unerfreulich“. Zu Gunsten unserer Nachkommen sind wir wohl verpflichtet „uns“ jetzt etwas einfallen zu lassen, den „Morgen ist es dazu wohl zu spät“.

  7. Rainer 12. Januar 2015 um 21:23 - Antworten

    …..Der Wechsel zu erneuerbaren Energien ist also unweigerlich ein Konflikt zwischen zwei unterschiedlich funktionierenden Energiesystemen. Erneuerbare Energien erfordern andere Techniken, Anwendungen, Standorte, Infrastrukturen, Kalkulationen, industrielle Schwerpunkte, Unternehmensformen, Eigentumsverhältnisse und vor allem andere rechtliche Rahmenbedingungen! ….

    Genau besehen sind es nicht „zwei unterschiedlich funktionierenden Energiesysteme“ unweigerlich muss auch die Beschaffung – Produktion von sog. „Primärenergie“ eingerechnet werden. Könnte man das Problem 100Prozent el. Energie als erledigt ansehen, blieben immer noch ~80 % des gesamten Energiebedarfs sozusagen „außen vor“.

    Wer also die notwendigen Investitionen für P2G organisieren kann, wird zum Betreiber und Produzenten einer Energieform, welche zugleich Speicher für „überschüssigen Windstrom“ und ein Substitut für Gasimporte darstellt. Es gibt bereits erste Ansätze dies „außerhalb seines Bezugssystems“ zu versuchen. Nicht unlogisch, wenn Audi dies mit dem „Audi e-gas Projekt“ (6.000 kW (e) in Werlte, Niedersachsen) bereits erprobt. Wer KFZ produziert, warum soll „der“ nicht wenigstens versuchen die notwendigen Kraftstoffe (SNG) „beizusteuern“.

    Sicher „Windgas“ ist derzeit noch teuer, aber wer Autos weiter verkaufen möchte, ist sicher gut beraten „irgendwie“ für die notwendigen Kraftstoffe „zu sorgen“. Eine geschickte Kombination von „Windstrom + Windgas“ dürfte eine annehmbares Ziel darstellen. Auch andere, deren Geräte bislang auf „Erdgas“ angewiesen sind mögen ja bei rechtzeitigem „Einstieg“ langfristig „die Nase vorn haben“. Inklusive einer Reihe denkbarer Synergieeffekte.

    Sich „logisch“ zu verhalten, heist nicht immer bestehende „Systemlogik“ folgen….

    • Kilian Rüfer 13. Januar 2015 um 08:47

      Ich finde Windgas auch großartig. Damit kann der Netzausbau verringert werden. Ersetzen ginge wohl zu weit. Wie viel Windgas ist eigentlich möglich? Ich fände es mal interessant, wie viel da verdrängt werden kann.

      Ich finde Scheers Differenzierung in der ökonomischen Betrachtung wichtig. Eigentlich müsste man sich immer fragen, auf wen sich etwas wirtschaftlich auswirkt. Sind es einzelne Unternehmen? Welche Unternehmensgruppen sind dies? Welche Unternehmen hängen noch in der Wertschöpfungskette. Oder ist es wirklich die gesamte Volkswirtschaft?

  8. Cornelia Daniel-Gruber 12. Januar 2015 um 10:29 - Antworten

    wow! Danke Kilian, dass du das wieder hervorgekramt hast. Hatte das Buch zwar gelesen aber im Licht der aktuellen Geschehnisse und meinem deutlich erweiterten Horizont seit damals, ist das tatsächlich ein unsagbar wichtiges Artikel. Ich grüble schon lange darüber nach, wie wir das Problem lösen, dass es für die Erneuerbaren eben nicht reicht gleich billig oder teuer wie die fossilen zu sein. Wir sind ja in vielen Bereichen an diesem Punkt. Auch über die Problematik der unterschiedlichen Wertschöpfungsketten in der Heizungsbranche habe ich erst kürzlich mit Andy disktuiert. Danke, dass du dieses Thema aufgemacht hast, werde da anknüpfen und habe viele Gedanken dazu.

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