„Verunsicherungslücke“ im Speichermarkt

Während der Pressekonferenz beim PV-Symposium im Kloster Banz schoss mir der Gedanke in den Kopf. Es wurde über die neue Speicherförderung gesprochen. Geschäftsführer Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) berichtete von einer „Verunsicherungslücke“ im Speichermarkt.

Ob es im Winter ein traditionelles Nachfrageloch oder eine Verunsicherungslücke ist, lässt sich schwer sagen.

Ob es Ende 2015 ein traditionelles Nachfrageloch oder eine Verunsicherungslücke ist, lässt sich schwer sagen.

Zick-Zack-Weltmeister Gabriel legte vor:

  1. Speicherprogramm läuft aus
  2. Speicherprogramm wird offiziell nicht verlängert
  3. Speicherprogramm wird offiziell verlängert
  4. Drei Monate später gibt es die neue Speicherförderung

Sobald die erwartete „Verunsicherungslücke“ im Speichermarkt eintritt, werden weniger Speicher verkauft. Auf die Frage, ob jemand wüsste wie stark die Verunsicherung sein, hatte das Podium keine Antwort. Was könnte man tun?

Mir ging eine Befragung durch den Kopf. Man muss doch wissen, was bei den konkreten Endkunden hängen geblieben ist! Ohne dies sind doch die Prognosen der steigenden Nachfrage weniger belastbar. Die Solarbranche erforscht offenbar ihren Markt wenig. Falls aber potentiellen Kunden die Verunsicherung angekommen ist, dann muss dem entgegen gewirkt werden!

Wie Folgenschwer die Verunsicherung von Endkunden sein kann, müsste gerade die PV-Branche wissen! Nach der letzten EEG-Reform aus dem Jahr 2014 war der Bevölkerung klar, dass sich Photovoltaik nicht mehr rechnen würde. Obwohl dies nicht stimmte, ist der Markt eingebrochen.

Es wurde wegen der verkorksten politische Rahmenbedingungen gejammert. Aufgeklärt aber wurde wenig.

Was tut man, wenn Kunden verunsichert sind?

Falls die früheren Fast-Kunden nun verunsichert sind, dann muss man diese aufklären.

Erfolgreich wird das BMWi eher darin sein, dass wenig gefördert wird. Dieses mag wegen des kleinen Fördertopfes oder einfach aus Nickeligkeit gegenüber der PV-Branche geschehen. Das BMWi macht jedenfalls keine Kampagne.

Der BSW hat klassische Pressearbeit gemacht (Pressemitteilung). Eventuell haben auch Mitglieder Infos erhalten. Das weiß ich nicht. Eigentlich ist viel mehr nötig, um in die Breite zu gehen. Nicht beim Pressegespräch sondern im Nachhinein hat man mich auf folgende Kampagne verwiesen: die-sonne-speichern.de

Hoffnung habe ich bei Installateuren. Diese sind schließlich selbst betroffen, da Solarteure daran verdienen können – wenn dort das Telefon überhaupt noch klingelt.

Eigentlich müsste man aktiv aufklären

Die klassische Presse ist grundsätzlich schwer erreichbar. In der Fachpresse tauchen Infos zur Speicherförderung auf. Diese aber erreicht keine Neukunden, sondern die bereits interessierten Leute.

Wenn man wirklich eine solche „Verunsicherungslücke“ im Speichermarkt auffangen will, dann könnte man eine „Blaupause-Kampagne“ machen. Warum erstellt niemand „Whitelabel-Kampagnenmaterial“ auf dem sich die Absender selbst darstellen können? Es müssten frei verwendbare Inhalte (Creative Commons Lizenz ohne Namensnennung) gemacht werden und diese entsprechenden Multiplikatoren angeboten werden. Ein solches Material müsste sogar inhaltlich anpassbar sein, damit es sich jeder auf seine eigene (dezentrale) Sichtweisen maßschneidern kann. Ebenfalls müsste es „shareable“ sein, sodass es in sozialen Medien von vielen kleinen verbreitet werden kann.

Wer könnte über die Speicherförderung aufklären?

Energieagenturen: In ganz Deutschland haben Energieagenturen die Aufgabe Interessenten aufzuklären. Ich bin selbst für eine solche Institution tätig. Über Inhalte, die nicht mit einem „Branding“ vorbelastet sind und die angepasst werden dürfen, würde man sich dort immer freuen! Es handelt sich um vergleichsweise unabängige Akteure. Verbreitung durch durch diese ist meist glaubwürdig.

Klimaschutzmanager: Noch glaubwürdiger sind Informationen, die direkt von der Verwaltung kommen. Zig Klimaschutzmanager haben nicht die Zeit anständige Materialien aufzubereiten. Mit dem Material aber würden diese ihrer Aufgabe leichter gerecht werden können. Regional könnten Pressemitteilungen gemacht werden, die durch die Regionalität berichtenswert werden.

Branchenverbände: Verbände wie der BSW oder der Deutsche Solarbetreiber-Club e.V. (DSC) könnten so etwas tun. Offenbar fehlen dort die Kapazitäten, um wichtige Themen deutschlandweit zu transportieren. Hier sollte die Branche mal über ihren Selbsterhaltungs-Trieb nachdenken und vielleicht mehr Unterstützung bereitstellen.

Warten wir ab, wie erfolgreich die Verunsicherung wird.

Eine andere Frage ist, wie sehr Stromspeicher überhaupt vom Förderprogramm abhängig sind. Rückblickend hatte nur jeder zweite Käufer seinen Speicher fördern lassen.

Von |2018-12-28T13:57:34+02:0009 Mrz 2016|Energiewende, Photovoltaik|2 Kommentare

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

2 Kommentare

  1. Konstantin Heiller 15. März 2016 um 13:13 Uhr - Antworten

    Guten Tag Herr Rüfer,
    ein guter Punkt, die zwei Monate ohne Förderung haben nicht wirklich zu einer Umsatzbelebung geführt, was ich aus der Speicherbranche mitbekommen habe. Jänner und Februar sind aber ohnehin meistens schwach, insofern Bravo, dass das Programm nun auf drei Jahre laufen soll – bis auf die angesprochene Verunsicherung sollte die Lücke keine Nachwirkungen haben.
    Über Förderungen (in Österreich und Deutschland), versuche ich hier, einen Überblick zu behalten:
    http://www.diesmartebatterie.de/stromspeicher-foerderung/stromspeicher-foerderung/

    Was fast noch schädlicher für die Marktentwicklung bisher war, war die Ankündigung eines Autoherstellers ein Speichersystem, das nur aus Batteriezellen besteht und für einen kolportierten Marktpreis von 3.500 US$ über den Tisch geht, auf den Markt zu bringen. In Oberösterreich haben im Jahr 2015 Förderwerber MIT einer Förderzusage die Speicherförderung iHv € 5.100.- verfallen lassen, da sich das Warten auf den Speicher mit den Panasonic Zellen mehr auszahlen würde, als einen deutschen oder österreichischen Speicher zu kaufen… Wenn sich da nicht noch einige an den Kopf greifen werden.

  2. Kilian Rüfer 10. März 2016 um 10:52 Uhr - Antworten

    Hier eine Kampagne, die ich durch folgenden Tweet kennengelernt habe

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