Nachhaltigkeit an Hochschulen: Sichtbarer und vernetzter mit digitalen Medien

Für mehr Nachhaltigkeit vernetzen sich die an Hochschulen Engagierten im Projekt „HOCH-N“. Wie hilft dabei die Digitalisierung? Und wird Nachhaltigkeit im digitalen Raum sichtbarer? Diesen Fragen sind wir in unserem Workshop auf dem Netzwerktreffen im Bremer „Schuppen 1“ nachgegangen. Die Kulisse des Treffens war inspirierend. Der alte Europahafen, Start-ups und faszinierende Oldtimer in dem ehemaligen Warenlager gaben die richtige Atmosphäre, um an Neuem zu tüfteln.

Hinter dem Alten entsteht das Neue

Ungeschminkt, jenseits schick klingender konzeptioneller Wunschvorstellungen, haben wir über tatsächliche Erfahrungen mit digitalen Medien gesprochen: Was funktioniert wirklich? Worauf kommt es an? Kommen uns neue Ideen?

Ich erzählte von meinen Erfahrungen als Energieblogger und Mediendienstleister mit den großen sozialen Medien wie Facebook, Twitter und YouTube. Angereichert wurde der Erfahrungsschatz durch Einblicke von Michael Flohr in die platform n. Betrieben wird die Vernetzungsplattform für universitäre Nachhaltigkeitsinitiativen, die im netzwerk n organisiert sind. Wie die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit das Thema Studierenden näher bringt und diese dabei mit Credit-Points versorgt, berichtete Lisa Schleker.

Top 5 Einsichten vom Workshop aus Bremen

Als Finale unserer Diskussion bewerteten unsere lieben Gäste aus dem universitären Umfeld, welche Einsichten sie für wesentlich waren. Beginnen wir mit dem Wichtigsten:

  1. Physische Treffen und digitale Begegnungen bestärken sich wechselseitig. In ihrer Verknüpfung verstärken und erweitern diese sowohl das eigene Netzwerk als auch die Reichweite. Denn es gibt mehr Menschen, die einem helfen, wenn wir unsere Reichweite vergrößern und wir sie persönlich kennen lernen. Wir müssen also den direkten Kontakt zu den Menschen hinter den Tastaturen herstellen oder/und Menschen für Tastaturen und Smartphone-Displays begeistern.
  2. Motive berühren. So trivial es auch klingen mag, bleibt es wahr: Nur wenn Angesprochene einen Mehrwert erhalten, haben digitale Inhalte eine Chance, angenommen und geteilt zu werden.
  3. LME Lernplattformen miteinander vernetzen. Statt einen Wildwuchs an inkompatiblen Lernplattformen zu befeuern, sind technische API-Schnittstellen wichtig, damit die kostbaren Lerninhalte an mehreren Hochschulen genutzt werden können. Nur so kann die Teilbarkeit von Inhalten zum Tragen kommen.
  4. Lehre-Lern-Verknüpfung. Vernetzung kann auch zwischen Angeboten und Akteuren im digitalen Raum stattfinden. Beispielsweise könnte in der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit zugleich eine lokale studentische Nachhaltigkeits-Initiative sichtbar gemacht werden. Diese wiederum hat das nötige Engagement, die Lerninhalte zu verbreiten. Die Schnittstellen zwischen Plattformen würden dabei helfen, wechselseitig Aufmerksamkeit zu generieren und Bezüge herzustellen. Beispielsweise könnte eine Aufgabe in der Akademie sein: „Mach eine Umfrage zu Ernährung und Nachhaltigkeit! Dies gelingt Dir einfacher, wenn Du Dir Mitstreiter suchst. Mitstreiter kannst Du in der Nachhaltigkeits-Initiative an Deiner Hochschule finden.“
  5. Lebenslanges Lernen. Die fünftwichtigste Einsicht ist der Appell, dass Nachhaltigkeit und Digitalisierung nicht fertige, perfekte Einsichten oder „Produkte“ sind, sondern ständigen Veränderungen, stetigem Wandel unterworfen sind, an denen wir lebenslang lernen und uns auch ausprobieren, ja in unseren Fähigkeiten messen können.

Gleichgesinnte können sich bemerkenswert gut mit sozialen Medien vernetzen

Das Geheimnis populistischer Erfolge in sozialen Medien beruht auf der „Confirmation Bias“, der menschlich tief verwurzelten Neigung, sich Selbstbestätigung zu suchen. Je mehr die eigene Meinung emotional bestätigt wird, desto mehr Resonanz keimt auf. Mit den Algorithmen von Facebook & Co wird dies verschärft, da diese einem nur zeigen wollen, was man hören will. Entsprechend ist die Vernetzung Gleichgesinnter sehr gut möglich – auch wenn man ausschließlich höfliche und respektvolle Umgangsformen im Web pflegt.

Raus aus der Blase Gleichgesinnter kommt man allerdings aus dem selben Grunde nur sehr schwer.

Im Hochschulrahmen muss man Entfesselungskünstler sein

Die meisten der Gäste haben selbst mit digitalen Medien zu tun. An Hochschulen kann natürlich weniger provokativ kommuniziert werden, als es manch ein Populist oder eine reißerische Initiative tun kann. Dennoch erlauben soziale Medien eine gewisse Frische, einen weiteren Anspracheweg an den Orten, in denen sich Studierende im digitalen Raum bewegen. Studierende geben das Feedback, über soziale Medien auf Veranstaltungen aufmerksam geworden zu sein.

Allerdings scheinen die Verantwortungen in den Uni-Apparaten teilweise zu schwergängig organisiert zu sein. Social Media benötigen eigentlich nicht für jeden Post ein Bataillon an Freigaben. Es müssten klare Social Media Guidelines und eine Unterweisung in diese ausreichen, um mehreren Menschen Zugriff auf die gewünschten Kanäle zu erlauben. Wenn sich Verantwortliche nun sorgen, dass zu einseitig Projekte rausposaunt werden, dann kann ein System an Slots organisiert werden, mit dem die Proportionalität zwischen Bereichen und Themen gewahrt bleibt.

Sendungsbewusstsein für Nachhaltigkeit

Auch klug kann es sein, studentische Jobs in dem Bereich zu schaffen, mit denen Initiativen unterstützt werden. Denn eine Initiative als Absender kann sich natürlich viel freier bewegen, als dies die Uni selbst vermag. Am Besten wäre es, diejenigen zu unterstützen, die von sich aus bereits ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein in Sachen Nachhaltigkeit haben.

Fazit: Chancen intelligent nutzen

Grundsätzliche Chancen digitaler Medien sind darin begründet, dass sehr viele Menschen ein Smartphone mit sich herumtragen und intensiv nutzen. Ebenfalls ist die Teilbarkeit digitaler Güter eine Chance. Sie werden nicht schnell abgenutzt, wenn sie durch mehr Menschen genutzt werden. Entscheidend ist, dass dafür die Wege frei gemacht werden. Es braucht intelligente Verknüpfungen zwischen Projekten und Aktiven – auch im digitalen Raum.

Für HOCH-N wäre es sehr hilfreich, wenn sich die Statusgruppen auch online vernetzen und dafür eine gemeinsame Plattform nutzen, auf der alle zusammenkommen. Dafür eignen sich Elemente aus den Infrastrukturen der platform n (WeChange) und der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit. Gerade die Dezentralität auf den Plattformen eröffnet vernetzte „Spielwiesen“, auf denen sich Engagement leichter, weil unbefangener entfalten kann. Ein vereinfachtes Teilen von Erfahrungswerten ist sinnvoll. Damit könnte die gesamte Intelligenz der Crowd auf praktische Fragen ebenso praktische Antworten geben.

Natürlich kann ich keinen gesamten Workshop in einen kleinen Blogartikel fassen. Wenn unsere wesentlichen Ergebnisse für Sie interessant sind und Sie darüber hinaus Fragen oder Anmerkungen haben, dann freue ich mich über eine rege Diskussion im Kommentarfeld, in den sozialen Medien oder beim nächsten Treffen.

By |2018-12-28T13:57:28+00:0020 Sep 2018|ohne Kategorie|0 Kommentare

About the Author:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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