Strompreis minimieren: Mit oder ohne Klimaschutz?

Für Verbraucher sind Strompreise seit 2009 um 13,5% gestiegen (Toptarif.de, 14.07.12). In manchen Medien werden drastische Preissteigerungs-Prognosen von 30 – 50 % veröffentlicht. Dies ist Munition für den politischen Diskurs und holt eine totgeglaubte Grundsatzfrage aus dem Keller.

Eigentlich ist mit dem Energiekonzept der Bundesregierung und der Energiewende die Frage beantwortet: Ja, mit den Einsparzielen und Zielen für den Anteil Erneuerbare Energien machen wir als Nation Klimaschutz, wobei bis 2100 die deutschen Emissionen um 90-95 % gesenkt werden.

Ja, Klimaschutz kostet zunächst, aber wird es wirklich so viel?
Es ist auch auch klar, das konsequenter Klimaschutz die ersten 2-3 Jahrzehnte die Strompreise verteuert und anschliessend hingegen billiger als begrenzte fossile Quellen wird.

  • Die Umlage für Erneuerbare Energien war von 2011 auf 2012 von 3,53 ct/kWh um weitere 0,062 ct/kWh gestiegen.
  • Von 2010 auf 2011 war es etwas mehr: Von 2,047 ct/kWh eine Steigerung um 1,5 ct/kWh auf 3,53 ct/kWh.

Wieviel wird Strom teurer?
Je nach Quelle sind die Preisprognosen stark unterschiedlich. Für jede Preisprognose müssen wir die angenommenen Rahmenbedingungen prüfen. Wer welchen Quellen vertraut sei jedem selbst überlassen:

  • Energiewende nicht umsetzbar – Strompreise steigen bis zu 50 Prozent (18.7.2012 Frankfurter Rundschau)
    „Vaatz sagte im Deutschlandfunk, Deutschland verfüge nicht im Entferntesten über die Kapazitäten für die benötigten Stromspeicher. Wenn man die zu erwartenden Kosten auf die Verbraucher verteile, sei der Wirtschaftsstandort Deutschland Geschichte. Die Verbraucher müssten in den kommenden Jahren mit einer Erhöhung der Strompreise um 30 bis 50 Prozent rechnen.“in den kommenden Jahren“ (Vaatz CDU)
  • Für das Jahr 2013 rechnet Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit leichten Preissteigerungen, aber keiner Preisexplosion.
  •  „Die Warnungen vor Strompreisexplosionen sind übertrieben, da es genauso viele preissteigernde wie -senkenden Faktoren gibt“, sagte Kemfert (17.3.12, Handelsblatt Online)
  • Vattenfall, einer der vier großen Energiekonzerne in Deutschland, warnt vor massiv steigenden Strompreisen: Die Verbraucher müssten sich auf Preissprünge von rund 30 Prozent einstellen. Schuld sei die Energiewende.
    Privatkunden müssten bis 2020 voraussichtlich 30 Prozent mehr zahlen als heute, sagte Konzernchef Tuomo Hatakka der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Dienstag

Wer bezahlt die Energiewende?
Seitdem die Industrie aus Wettbewerbsgründen ausgenommen ist, werden alle Kosten der Energiewende auf Verbraucher umgelegt. Für die Verschiebung von Marktanteilen zahlen jene Unternehmen, die Marktanteile verlieren. Das Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft, welches die Förderungen aller Energiequellen verglichen hat, schlägt eine Finanzierung durch den Abbau umweltschädlicher Subventionen vor.

Woraus setzt sich der Strompreis zusammen?

  • Kosten für die Strombeschaffung und für den Vertrieb an Stromproduzenten (33,0 %)
  • Steuern (24,0 %): Mehrwertsteuer, Stromsteuer und Konzessionsabgabe (6,5 %) an den Staat
  • Nettonetzentgelt (19,9 %): Umlage für den Betrieb und den Ausbau von Stromnetzen an Netzbetreiber
  • Umlage für Erneuerbare Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (13,7 %)
  • Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung (2,7 %) an Stromlieferanten
  • Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (0,2 %)

Was lässt die Preise steigen?

  • Kosten für Netzausbau
  • Umlage für Erneuerbare Energien (EEG)
  • Freistellung der Industrie von der EEG-Umlage

Gesamtwirtschaftlich geht es um mehr als Verbrauchspreise
Es ist klar, dass gespart werden muss. Um aber nicht jegliche Wirtschaft kaputt zu sparen, müssen zukunftsfähige Investitionsfelder selektiert werden. Wer kann bei dieser Auswahl ernsthaft an Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien vorbei argumentieren? Neben dem unangenehmen steigenden Strompreis, gibt es positive regionalwirtschaftliche Effekte. Würden die gesellschaftlichen Gesamtkosten inklusive Umweltfolgekosten und aller absoluten Fördergelder eingepreist werden, sind schon jetzt erneuerbare Energien kosteneffizienter. Es werden Exportmärkte und Innovationsfelder abgesteckt für Deutschland als Exportnation abgesteckt. Als Vorreiter für ein nachhaltiges Energiesystem würde ein enormer Wissenstransfer möglich werden, der sicherlich abgefragt wird sobald das aufgeheizte Klima noch spürbarer über 2 Grad wärmer geworden ist.

Wo gibt es handfeste Quellen zum Thema?

Wie gehen Sie mit dem Energiepreise-Brennpunkthema um?

By |2012-11-18T21:06:56+02:0027 Jul 2012|Energieökonomie, Erneuerbare Energien|3 Comments

About the Author:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

3 Comments

  1. Andre 19. November 2013 um 10:17 - Antworten

    Mit Klimaschutz ist und bleibt eine wichtige Sache und ich denke, dass ein Anfang sicherlich getan wird und man hier auch in Zukunft noch einiges positives sehen kann. Zudem ist der Artikel hier sehr informativ. Das hilft sicherlich den ein oder anderen weiter, die Sache zu verstehen.

  2. wassili 26. März 2013 um 18:38 - Antworten

    Strompreis minimieren ntürlich mit Klimaschutz!!! Es ist nicht immer so, dass erneuerbare Energien den Strompreis hochjagen. Erneuerbaren Energien haben in den zurückliegenden kalten Wochen einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland geleistet. Gerade zu Hauptlastzeiten waren sie ergiebig. Sie halfen sogar, den Strompreis niedrig zu halten. (Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/strompreis-trotz-kaeltewelle-niedrig/ )
    Etwa 14 Prozent der benötigten Gesamtleistung wurde Mitte März durch erneuerbare Energien erzeugt. Das ist doch schon ein großer Fortschritt für die Energiewende.

    Gruß,
    W.

  3. […] diskutieren, die beispielsweise bereits in Großbritannien gescheitert sind. Anlass ist die Preisdiskussion für Verbraucher. Die FDP hatte sich durch Rösler sogar für die Abschaffung der Ökostromförderung […]

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