Das gute Geschäft mit atomar-fossiler Energie

Eigentlich sollte ich gerade über die Klimakonferenz in Polen schreiben, über die teilweise vermeidbare Not auf den Philippinen und über die bundespolitischen Rückschritte im Klimaschutz, welche sich in den Verhandlungen hinzu einer großen Koalition abzeichnen. Ich könnte die sicherheitsrelevanten Warnung des BND vor Klimakonflikten thematisieren oder auch über Verzerrungen durch den Energielobbyismus und die PR-Maschinerie berichten. All diese im politischen Geschehen unausreichend beachteten Zeichen müssen doch eine Ursache haben.
Ist es das liebe Geld?

Heute will ich der These nachgehen, dass ein vernünftiger Umgang mit der Energie gewissen Geschäftsinteressen entgegen stehen könnte. Ich will wissen, wie rentabel dieses Geschäft mit der atomar-fossilen Energie ist, um besser zu verstehen, warum es so vehement verteidigt wird. Ich kann hier nicht wissenschaftlich-argumentativ beweisen, dass die Interessen der fossil-atomaren Energieindustrie aktiv die Interessen des Klimaschutzes sabotieren – auch wenn dies offensichtlich erscheint. Was ich wirklich hoffe ist, dass wir eines Tages mit erfahrenen Furchen und Lachfalten im Gesicht sagen können, dass wir uns ausreichend um den Erhalt unserer lebensnotwendigen Grundlagen gekümmert haben.

Auf meiner virtuellen Reise habe ich Gesamtumsätze, Gewinnspannen und Gewinne recherchiert. Meine Beschreibung diesen Geschäftes ist hier sicherlich nur ein Flickenteppich, wovon der Rest nur mit umbelastbaren Vermutungen ergänzt werden kann. Auffällig ist, wie selten die Gewinnspannen eines Kernkraftwerkes, eines Kohlekraftwerkes und auch eines Gaskraftwerkes im Internet aufgezeigt werden. Haben Sie da bessere Quellen?

Wenig Informationen zur Rentabilität konventioneller Kraftwerke
Hier nun einige Informationsfetzen: Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung erwirtschaftet ein abgeschriebenes Kernkraftwerk täglich eine Million €, wobei man sich auf eine Aussage der Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow bezogen hatte. Bei neuen Kernkraftwerken allerdings ist die Wirtschaftlichkeit deutlich schlechter. Dies zeigt auch die britische Förderung der Kernkraft welche einen Einspeisetarif enthält. Offenbar bewerten manche Entscheidungsträger die Fälle in Tschernobyl und Fukushima weniger relevant.

Laut einem bemerkenswert unabhängigen Bericht der BILD-Zeitung brachte der atomar-fossile Kraftwerkspark der vier Großen in den Jahren 2010 und 2011 noch 20 bis 29 Prozent Rendite. Das war also deutlich ertragsreicher als die ungefähr 4 bis 7 % Rendite in der Windkraft. Im selben Artikel wird beschrieben, dass schon heute kaum eines der Werke rentabel sei, weil der Strompreis an den Märkten bis 2012 um 50 Prozent gesunken ist. Durch genau die erneuerbaren Energien, die nun den Strom angeblich so teuer machen. Offenbar scheint ein ebenso großes Problem zu sein, wenn Strompreise gefallen sind und Renditen mit dem atomar-fossilen Kraftwerkspark geschrumpft sind.

Ferner berichtet die BILD-Zeitung: „In der Stromerzeugung brach der Gewinn von E.ON in den ersten neuen Monaten 2013 um 41 Prozent auf rund eine Milliarde Euro ein, bei EnBW waren es sogar 60 Prozent, ähnlich das Bild bei RWE.“

Energiekonzerne too big to fail?
Vielleicht ist ein Hemmnis der Energiewende die Angst vor einem echten Crash der Energiekonzerne. Die Konzerngröße gemessen an Umsätzen könnte als „systemrelevant“ aufgefasst werden: Laut „Statista“ betrug der Martwert in 2012 bei e.on 49,1 Mrd. US-Dollar und bei der RWE Group  29,9 Mrd. US-Dollar. Übersehen wird dabei, dass mit einer vollständig ausgeführten Energiewende ebenfalls ein (in der Summe) enormer Marktwert vieler kleinerer Unternehmen entstehen kann. Dabei könnten durchaus auch vier Stücke des Kuchens durch erneuerbare Energiekonzerne abgedeckt sein.

Wenn ich schon einmal bei den Energieversorgunsunternehmen bin, dann möchte ich auch auf die Studie „Stromwatch 3“ verweisen, welche die Rentabilität von e.on, RWE und EnBW im Jahr 2010 betrachtet hatte. Ganz schlecht ging es diesen Unternehmen nicht:

Insgesamt machten die drei Konzerne demnach in den „Krisenjahren“ 2008/09 einen Gesamtgewinn vor Steuern von knapp 35 Mrd. €, seit 2002 von über 100 Mrd. €. Innerhalb von sieben Jahren haben sich die Gewinne vervierfacht.

Auf den Internetseiten der EVU´s lassen sich in den Bereichen für Geschäftskunden zwar Jahresabschlüsse lesen. Lesen und Beurteilen kann ich diese aber nicht, da reichen meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse als gelernter Mediengestalters und studierter Arborist und Ingenieur für erneuerbare Energien nicht aus. Können Sie das interpretieren? Wenn Sie es können, würde ich Sie um einen kaufmännisch richtigen Vergleich mit „Stromwatch 3“ bitten.

Jährliche Kohleimporte steigen
Das Folgende ist nun wieder für jedermann leicht verständlich – dank dem statistischem Bundesamt. Die Einfuhr von Steinkohle in Tonnen sowie entsprechend in Euro stellt sich wie folgt dar:

  • 2010: 36.527.710 t für 3.264.356.058 €
  • 2011: 40.855.964 t für 3.800.982.534 €
  • 2012: 41.286.129 t für 4.829.015.433 €

Dieser Trend passt in keiner Weise zum Klimaschutz. Zu guter letzt will ich die Zinsuhr zur „Nuklear-Fossile Geldverbrennung“ von Thorsten Zörners Blog vorstellen. Er stellt anschaulich die volkswirtschaftlichen Kosten dar, die als Last für die bereits benannten Renditen durch das gute Geschäft mit der atomar-fossilen Energie getragen werden müssen.

By |2018-12-28T13:58:01+00:0015 Nov 2013|Erneuerbare Energien, Kohleaustieg|0 Kommentare

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Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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