Berichte vom Barcamp Renewables

bac-kleinAn diesem Wochenende bin ich auf dem Barcamp Renewables, einer Mitmach-Konferenz in Kassel: Die Trennung zwischen der hohen Expertenkaste und der niederen Zuhörerklasse ist hier aufgebrochen. Gleich zu Beginn konnte jeder Gast sein Thema einbringen – wenn sich bei der gemeinsamen Themenwahl dann genug meldeten, wurde das Thema in die Agenda aufgenommen. Veranstaltungsort ist die schicke SMA-Academy, auf dem Kassler Werksgelände des großen Wechselrichter-Herstellers. Wo immer man auch hinsieht, fallen einem prächtige solare Lösungen ins Auge.

Ich interessiere mich für solche Veranstaltungsformate, die dialogfördernd sind bzw. kreative Arbeitsatmosphären bestärken. Da jeder zu Beginn auf das Du eingeschworen wurde, ist hier der erste Schritt zu guten Gesprächen bereits getan. In meinem Erleben steigert dies sofort das Wir-Gefühl, was aber auch daran liegen kann, dass viele Energieblogger-Kollegen hier sind. Mit Craig Morris, Björn-Lars Kuhn, Daniel Bönnighausen, Tina Ternus, Patrick Jüttemann, Robert Dölling, Kathrin Hoffmann und dem Social-Media Team von SMA haben sich bereits über acht Energieblogger eingefunden. Das Du hat aber auch sogleich die erste Schwelle der Ansprache genommen, hier auf dem Barcamp gelingt ein Kennenlernen zu einem netten „Networking“ besonders gut. Ich denke, dass dies mit an der aktive Arbeitsatmosphäre liegt – es entstehen gute inhaltliche Gespräche, entgegen der typischen IHK & Co Veranstaltungen, bei denen unwitziger Small-Talk und die musternde Frage „Kann mir der Gegenüber was bringen?“ im Vordergrund stehen.

In den Vorträgen aber verfallen viele Gäste leider doch noch in eine passive „Touristenrolle“, anstelle einer aktiven Diskussion. Zum Teil mag dies an der klassischen Schulanordnung der Schulungsräume des Solar-Wechselrichter Unternehmens liegen, aber auch an den tief sitzenden Gewohnheiten. Ich finde dies schade, da mit gerade die Erkenntnisse aus Fehlern und Widersprüchen im kreativen Prozess wichtig sind.

IMG_0470In der ersten Session stellte Craig Morris seinen Film vor, der die Energiewende feiert. Craig hat es geschafft auf Fachwörter zu verzichten und die Energiewende schlicht zu feiern, wobei der Amerikaner erkannt hat, dass genau dieses freudige und stolze Element in der Bürger-Energiewende zu kurz kommt. Wussten Sie, dass die Energiewende 1980 erfunden wurde? Mir hatte diesen „Begriffs-Diebstahl“ vorab zwar jemand aus dem Umfeld des Öko-Institutes hinter die Ohren geschrieben, jedoch finde ich es noch immer bemerkenswert, denn wir erleben sehr sichtbare Früchte einer noch immer lebendigen Bürgerbewegung. Während wir Abends heitere Ideen zum Trailer belacht und besprochen haben, fiel mir auf wie gut dieser Film sich eignet, um Filmvorführungen von lokalen Naturschutzgruppen mit Diskussionsrunde zu machen. Auch für Windkraftveranstaltungen hatte Craig die besondere Idee, Kapitelauszüge kostenlos anzubieten, mit denen eine Einstimmung der Audienz vor den Diskussionen möglich ist. Der gesamte Film wird kostenlos im Internet zur Verfügung stehen.

In einer zweiten Session hat ein leidenschaftlicher Bastler vorgestellt, wie man mit Open-Source-Code und elektronischen Standartbauteilen ein Smart-Home bauen kann: http://www.volkszaehler.org. Hier wünsche ich mir eine Brücke zu weniger technisch affinen Leuten, die Ihre Stromverbräuche optimieren wollen. Besonders interessant ist dies für die Effizienz von Strom-Selbstversorgung, die aus Photovoltaik erfolgen kann. Ebenfalls kann eigener Strom auch aus Mini-Windrädern gewonnen werden, was beispielsweise für Landwirte gut gehen kann, wenn nach Westen hin z.B. 200 m Wiese ohne Widerstände bestehen. In die Tücken und Chancen der Mini-Windkraft durfte ich durch Patrick einen Einblick erhalten.

In den weiteren Sessions stach für mich das Thema „EEG-Paradoxon“ mit Tina Ternus heraus, die sich die Mühe gemacht, die (AusglMechV) vom 17. Juli 2009 unter die Lupe zu nehmen. Diese führt dazu, dass die hart gescholtene EEG-Umlage steigt, obwohl die realen Kosten für Erneuerbare relativ konstant geblieben sind. Hintergrund ist, dass Erneuerbare über den Merit-Order-Effekt insbesondere mittags den Börsenstrompreis verbilligen und genau aus dieser Verbilligung teilweise auf die EEG-Umlage geschlagen wird. Paradox – Erneuerbare machen dort Stom billiger und die Regelung verteuert an dieser Stelle Erneuerbare, insbesondere für Verbraucher! Das erklär mal der Bildzeitung.

Ich bin gespannt, was heute kommt, am zweiten Tag des Barcamp Renewables (Auf Twitter unter #bc_renew)

Von |2018-12-28T13:58:02+01:0008 Sep 2013|Erneuerbare Energien|3 Kommentare

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

3 Kommentare

  1. Homepage 16. Oktober 2013 um 08:03 Uhr - Antworten

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    […] Read More: blog.sustainment.de/?p=1633 […]…

  2. Thorsten Zoerner 8. September 2013 um 11:41 Uhr - Antworten

    „technisch affigen“ oder affinen? – Nettes Wortspiel 🙂

    • Kilian Rüfer 8. September 2013 um 18:13 Uhr

      Danke! Das war ein freudscher Verschreiber.

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