10 Einsichten zur Kommunikation für Nachhaltigkeit vom Netzwerk21-Kongress

Hier in Göttingen auf dem Netzwerk21-Kongress durfte ich gestern im Kommunikations-Workshop zur Vermittlung nachhaltig wirkender Projekte und Handlungsansätze fünfzehn Minuten zu Möglichkeiten und Grenzen desgleichen sprechen. In meiner Reflektion habe ich nun 10 Einsichten notiert. Sie kommen teils von Teilnehmern der Gesprächsrunde, teils aus meinem Vortrag. Dieser basierte auf einem früheren Artikel über ein Gespräch mit Neurowissenschaftler Gerald Hüther. Damals wollte ich wissen, ob wir mit unseren Medien das Verhalten Desinteressierter zugunsten der Nachhaltigkeit beeinflussen können – hin zu einem durchgängig nachhaltigen Lebensstil. Dies wäre laut den Forderungen aus der Nachhaltigkeits-Szene wie “die große Transformation”, ein “Paradigmenwechsel”, der wünschenswerte “Kultur- und Bewusstseinswandel.

  1. Klarheit über Ziele erlangen: Überlegen Sie sich bitte, was Sie konkret mit welchem Medium bzw. welcher Kommunikation erreichen wollen.
  2. Unterscheiden Sie oberflächliche Breitenwirksamkeit und transformative Tiefenwirksamkeit. Pressearbeit kann breitenwirksam sein. Internetseiten können Interessierten mehr Wissen vermitteln. Für Tiefenwirksamkeit aber sind Emotionen nötig, wie sie eigentlich nur durch Gespräche und vielleicht Videos aktiviert werden. Das kann eventuell in einem Workshop oder durch Erlebnis-Pädagogik gelingen. Ohne dass sich jemand in seinem emotionalen Kern berührt fühlt, wird sich keine Haltung und damit kein Verhalten wandeln. Und danach ist eine neue Erfahrung nötig. Sinnliche Erlebnisse sind gut → Wissen eintrichtern reicht nicht. Emotionale Überzeugungen sind besser.
  3. Sehen Sie eine Abfolge von leicht Interessierten (z.B. Presse) über Interessierte (Internet, Broschüren), oberflächliches Kontakteknüpfen (Social Media) bis hin zum richtig guten, empathischen, rational wie emotional zielführenden Gespräch von Subjekt zu Subjekt. Sie können sich die Abfolge wie einen Trichter vorstellen: Bis unten zur Tiefenwirksamkeit bleiben nur sehr wenige Personen übrig. Das steht im Kontrast zum Wunsch danach, zugleich in die Tiefe und die Breite zu wirken. Ich glaube, wir brauchen Demut statt Allmachts-Phantasien (bitte nicht übelnehmen). Wenn es gelingt, selber Wirksamkeit im eigenen Spielraum zu entfalten, dann ist das bereits wunderbar.
  4. Vernetzen Sie Mitstreiter über Social Media und in direkter persönlicher Face-to-Face-Kommunikation! Je mehr wir das Gefühl haben, dass wir viele sind, desto stärker und selbstwirksamer werden wir uns fühlen und in Folge handeln. Hier können wir Kraft schöpfen – Motto: ‘Gemeinsam sind wir stark’ – das kennen wir doch, oder?
  5. Tun Sie alles dafür, sich nicht nur in der Blase der Gleichgesinnten und Selbstgerechten zu bewegen, sondern das Gespräch mit ganz anders eingestellten Menschen suchen. Nur so können wir über uns hinaus wirken. Achten Sie auf Gemeinsamkeiten und sprechen Sie die Dinge an, die Ihr Gegenüber tatsächlich bewegen. Begegnen Sie Ihrem Gegenüber als gleichwertigem Menschen mit Achtung und ohne Vorurteile. Offenheit können Sie durch Achtsamkeits-Meditation erlernen.

    Abends wurde in der Paulinerkirche der ZeitzeicheN-Preis verliehen

  6. Verwerfen Sie die Idee, dass Sie mit purer Aufklärung viel an Verhalten ändern könnten! Mit Aufklärung können Sie bereits Interessierte “über die Schwelle tragen”. Das ist auch wirksam, aber erschließt nicht Desinteressierte.
  7. Schauen Sie bei sich selbst, welche Medien Sie tatsächlich in welcher Weise verwenden. Sie würden doch auch nur dann einen Flyer behalten, wenn Sie sich stark für dessen Inhalt interessieren und dieser Inhalt Sie überzeugt – oder Sie freuen sich über nichts anderes, als dass Sie Papier zum Ofen anmachen haben.
  8. Es ist gut, wenn Menschen den Eindruck von “da passiert was” gewinnen. Kreative Guerilla-Aktionen, die gemeinsam mit der eigenen Community gemacht werden, können Aufmerksamkeit erwecken – bei Passanten und der Presse. Es ist nicht mehr so, dass jede Pressemitteilung mit “Nachhaltigkeit” in der Überschrift von Redaktionen aufgegriffen wird.
  9. Bei Zielgruppen wie “meine Bürgermeister” bin ich ratlos. Wie gelingt es, auf deren Haltung einzuwirken? Schwierig. Sie müssten sich von Subjekt zu Subjekt berührt fühlen. Bürgermeister mit ins Boot für Publicity zu holen, ist leichter. Aber dass diese wirklich etwas anders machen, steht auf einem anderen Blatt…
  10. Das Wort “Nachhaltigkeit” muss nicht benannt werden, um Nachhaltiges nachhaltig zu vermitteln.

 

Von |2018-12-28T13:57:29+01:0030 Nov 2017|Kampagne, Konzeption, Medienwissen, PR, Presse, Redaktion, Social Media, Storytelling|0 Kommentare

Über den Autor:

Hier blogge ich zur Energiewende, Nachhaltigkeit und dessen Kommunikation. Als gelernter Mediengestalter und Ingenieur für Erneuerbare Energien betreibe ich die spezialisierte Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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